Soiled hat geschrieben: ↑Samstag 27. März 2021, 08:37
Nein. Rassismus hat immer auch etwas mit Machtstrukturen zu tun.
Menschen neigen aber dazu sich aus bestimmten Kriterien ihre Bösewichter zu basteln die für sie an allem Schuld sind. Für die einen sind es die linksgrünversifften, oder die Leute mit mehr oder weniger offensichtlichem Migrationshintergrund, für andere sind es die "alten weißen Männer", die Kirche, oder wer auch immer. Für mich ist es jedenfalls einerlei, ob der vorkunstruierte Bösewicht nun helle, oder dunkle Hautfarbe besitzt. Sich bei Leuten optische, sprachliche oder kulturelle Kriterien herauszupicken um daraus seinen Bösewicht zu bauen, auf den man schamlos herumhaken kann, ist in meinen Augen immer rassistisch. Völlig egal ob es sich dabei um weißen, dunklen, gelben oder grünen Rassismus handelt. Rassismus wird in meinen Augen nicht automatisch weniger rassistisch, wenn er von einer Minderheit betrieben wird.
Soiled hat geschrieben: ↑Samstag 27. März 2021, 08:37
Prinzipiell ja, aber im Rassismus-Fall würde ich das in dieser Formulierung nicht so unterschreiben. Natürlich hat eine primär weiße Gesellschaft kein größeres Problem mit rassistischen Grauzonen und kann die ignorieren. Aber in dem Fall geht es halt ausnahmsweise mal nicht um das Empfinden der weißen Mehrheit.
Vielleicht hast du mich da ja einfach nur falsch verstanden. Ich rede hier nicht von rassistischen Pöbeleien, die als Grauzonen hinzunehmen sind. Doch wenn ich mich pauschal in die Opferrolle schmeiße, um jede noch so sachliche Auseinandersetzung die mein Weltbild in Frage stellen könnte, im Keim zu ersticken, dann trage ich mit dazu bei das diese gesunden Grauzonen verschwinden. Wenn ich Beispielsweise nicht einmal mehr die Frage aufwerfen darf, wo Rassismus beginnt und wo er endet, weil mir allein die Fragestellung als Rassismus ausgelegt wird, dann ist das in meinen Augen ein alarmierender Zustand. So zum Beispiel oft zu beobachten, wenn es um kritische Äußerungen bezüglich der israelischen politischen Führung geht, die in dem Zusammenhang dann gerne mal mit dem Vorwurf "Antisemitismus" im Keim erstickt werden soll. Durch sowas zerstöre ich aber nun einmal sinnvolle Grauzonen, in denen es immer erlaubt sein sollte die Dinge zu hinterfragen und dadurch meinen Horizont auf die ein- oder andere Weise zu erweitern.
Soiled hat geschrieben: ↑Samstag 27. März 2021, 08:37
Einerseits stimme ich Dir zu, dass man, wenn man eine Meinung äußert, Widerspruch aushalten sollte. Ich mein, ich bin zwar durchaus genervt und gelangweilt, wenn ich die selben ausgelatschten und schon längst widerlegten Gegenargumente zum tausendsten Mal höre, da muss ich mich schon anstrengen, damit mir nicht der Geduldsfaden reißt, aber ich versuche es zumindest.
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Wenn man rassistische Äußerungen allerdings als "Pöbeln" bezeichnet verharmlost man sie. Das sollte man auch immer im Hinterkopf behalten.
Meinst du... ich empfinde rassistisches/sexistisches/etc. Gepöbel nicht als Verharmlosung, sondern als die niederste Form von verbaler Konversation die Mensch betreiben kann. Quasi kurz vor Grunzlauten und anderen animalischen Geräuschen, zu denen die menschliche Stimme so fähig ist. Was ich von Leuten halte, die auf diese Weise mit mir kommunizieren wollen kannst du dir ja hoffentlich vorstellen. Als Tipp: Viel ist es nicht. So ein Gepöbel muss man zwar keineswegs unkommentiert stehen lassen, aber wie ich schon mal an anderer Stelle sagte habe ich nicht die nötige Energie, um mich länger als unbedingt nötig mit solchen Leuten auf Diskussionsversuche einzulassen. In sich logischen Argumentationsketten (selbst solche mit rassistischem Unterton) kann ich zumindest eine Zeit lang argumentativ begegnen und möglicherweise sogar sachlich entkräften, sofern mein Gegenüber denn tatsächlich an einer richtigen Diskussion interessiert ist. Was ja nun mal bei Leibe nicht immer der Fall ist, Leider... Daher besteht für mich schon mal ein Unterschied zwischen Diskussion und Gepöbel. Bei schnödem Gepöbel wird das argumentieren halt schwieriger und ist oft leider auch einfach nur verschwendete Energie, da die pöbelnde Partei hier erfahrungsgemäß eher selten an echter Diskussion interessiert ist und lediglich sein persönliches Weltbild in den Raum posaunen will. Hut ab vor denen, die darauf klar kommen und zu verstehen wissen wie man solche Menschen abholen kann. Ich gehöre leider nicht dazu.
Soiled hat geschrieben: ↑Samstag 27. März 2021, 08:37
Das M-Wort als solches ist fraglos rassistisch. So wie "Schlampe" eine sehr herabsetzende Bezeichnung für Frauen ist. Ich selber kann mich so nennen, klaro, kein Problem. Aber wenn das jemand anders täte wär's halt sexistisch. Und wenn ich andere Frauen so bezeichnen würde ebenfalls. Wenn der Herr sein Restaurant unbedingt so nennen will und es ihm scheißegal ist, damit andere Menschen zu verletzen, ist das seine Sache. Dass es verletzend ist haben ja nun schon viele oft genug gesagt.
Ich finde es gerade irgendwie schade, dass du offenbar den Aspekt unter den Tisch zu kehren versuchst, dass der Restaurantbesitzer selbst dunkelhäutig ist und sich der Name seines Restaurant daher wohl auf ihn selbst beziehen wird. Ein Name den er SELBER gewählt hat, weil ER ihn schön fand. Wenn sich ein dunkelhäutiger Mensch dazu entschließt, dass Wort "Mohr" als nicht-rassistisch zu empfinden und sich selbst so zu bezeichnen, wer bin ich denn dann, dass ich ihm als nicht einmal dunkelhäutiger Mensch dazu verpflichte sich gefälligst von dem Wort diskriminiert zu fühlen? Warum dürfen die Leute nicht selbst darüber entscheiden, ob sie etwas als rassistisch empfinden oder eben nicht? Das ist doch sonst genau so ein Bullshit, wie der Vorwurf, dass alle Männer, Frauen und Diversen, die sich auch ohne Gendersternchen nicht diskriminiert fühlen, sich an der Diskriminierung im Bezug auf Geschlechterrollen beteiligen würden. Wer sich durch das Fehlen des Gendersternchens nicht diskriminiert fühlt ist also ein Sexist, um es mal überspitzt zu formulieren. Warum lässt man nicht die Leute individuell entscheiden ob und in wieweit sie sich rassistisch behandelt fühlen und passt daran sein eigenes Verhalten an? So schwer kann das doch eigentlich nicht sein. Aber nein... stattdessen werden dann lieber Stellvertreterkriege geführt und eine tatsächliche existierende Minderheit als Spielball dazu missbraucht das eigene Weltbild durchzuboxen, in welchem nur noch die Schubladen gut und böse bzw. rassistisch und nicht-rassistisch existieren.
"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow