Und weil wir grad dabei sind: Es gibt da ja ein kuscheliges
Interview in der (mal wieder) NZZ, wo sich zwei Leute, die beide keine Gender-Studies etc. mögen, unterhalten. Kritischer Journalismus sieht imho anders aus, die bestätigen sich die ganze Zeit nur gegenseitig, weil sie eine gemeinsame Agenda haben. Naja. Jedenfalls hat der eine Typ und sein Team Bullshit-Paper geschrieben und eingereicht, ein Teil wurde akzeptiert. So weit so interessant, kann man sich ja mal anschauen.
Aber: Es wirkt total affig, weil die selber dabei komplett unwissenschaftlich vorgegangen sind. Eine sehr hübsche
Reaktion darauf gibt es, sollte man sich mal durchlesen. Zitat: "One is that a study where n=20 doesn't demonstrate that a particular discipline has methodological problems. It simply means that - when all is said and done - 7 crappy papers were accepted by non-specialist journal editors based on their reviewers' recommendations. Big whoop! Frankly, this shows us that on this occasion reviewers failed. On 7(!) occasions. We do not know whether the same would have transpired if hundreds of such papers had been submitted to the same journals. It's one such paper per journal. Talking anecdotal, this is as anecdotal as it gets. (...) As far as I can see, there wasn't even a control group (say, 20 manuscripts submitted to analytical journals, 20 manuscripts submitted to STEM subjects)."
Keine Kontrollgruppe! n viel zu klein! Die Aussagekraft von so einem "Versuch" ist ziemlich ... mäßig, freundlich formuliert; niemand, der auch nur ansatzweise ein bisschen wissenschaftlich gearbeitet hat, kann das groß ernst nehmen. Klar, auf Laien macht es vielleicht Eindruck, weil das in die derzeit beliebte "Haben wir es den doofen Gender-Leuten mal wieder gezeigt!"-Kerbe schlägt. Ich gestehe dem so viel Relevanz zu wie wenn mir mein Friseur erzählt, dass bei seinen Kindern Homöopathie wirklich 1a hilft ...
Und jetzt gehe ich ein bisschen weinen, weil sicher viele, viele Leute so ein Interview als "Beweis" für ihre vorgefasste Meinung sehen werden ...
Edit: Weil's mir grade einfällt: Die Anti-Vaxxer kriegen ja auch immer mal wieder
Paper durch. Das allererste, von dem Wakefield, war ja auch Mist, und ist immerhin in "The Lancet" erschienen. Sag ich deswegen, dass man medizinischen Fachzeitschriften absolut nicht trauen darf? Nö. Kritisch beäugen sollte man sie natürlich, so wie alles, aber ungelesen gleich zu sagen "ist eh unwissenschaftlich" fände ich etwas kurz gedacht.
Zugegebenermaßen bin ich auch nicht sooooo Medizinerfreundlich; hatte ja ganz am Anfang Vorlesungen in Mathe/Physik und teilweise Chemie mit den Medizinstudenten zusammen, und es war kein schöner Anblick.

Und ein Bekannter hat sich seine zwei Buchstaben mit dem Thema "Das Mamma-Karzinom im Zweiten Weltkrieg" verdient. Kein Scheiß jetzt. Er lacht selber drüber, also darf ich mich auch ein klein wenig lustig machen.