Vorab nochmal zur Klarstellung: Ich sehe mich nicht als Pazifist. Greift man mich oder meine Liebsten an, so verteidige ich mich wie die meisten anderen Menschen auch.
Es liegt aber ein zentraler Unterschied zwischen der Selbstverteidigung (inklusive deiner Liebsten) und der Staatsgewalt, die dich im Ernstfall dazu zwingt seine Souveränität zu verteidigen. Die Sicherheit von Leib und Leben der einfachen Bevölkerung ist nicht das zentrale Ziel eines Staates im Verteidigungsfall, sondern das Aufrechterhalten der Staatsstrukturen und seiner Machtverhältnisse. Im Zweifelsfall so lange bis einer Seite (Angreifer oder Verteidiger) die Ressourcen, also die kampfbefähigten Menschen ausgehen. - Siehe z.B. die Ukraine, welche sich in einem Abnutzungskrieg befindet. Selbst der deutsche Kanzler spricht inzwischen völlig schamlos davon, dass die Ukrainer die Russen so lange "beschäftigen" sollen, bis Putin die Luft ausgeht. Was in meinen Augen einen zusätzlich bitteren Beigeschmack erhält, da man seitens Deutschland offenbar keinerlei Probleme darin sieht russischen Desserteuren das Asylrecht zu verweigern (Taz berichtete) und sie notfalls auch wieder Heim zu schicken, nachdem man bereits 2022 russische Soldaten dazu aufforderte den Dienst zu verweigern. - Danke, aber Systemen mit so einem Selbstverständnis von Menschenleben werde ich im Ernstfall ganz sicher nicht mein Leben opfern.
Die Geschichte von deiner Tante ist sicherlich heldenhaft, keine Frage. Sie hat aber mit der Verteidigung eines Staates unter seiner Armee nichts zu tun. Widerstandsgruppen, so auch Partisanengruppen richten sich gegen Besatzer und bestehende Regime, sie verteidigen keine Staaten auf dessen Befehl.
Zu deiner Frage mit der Besatzung: So ein Szenario ist erst einmal extrem unwahrscheinlich. Ganz davon ab stand ein Teil Deutschlands in der Vergangenheit bereits mal unter russischer Besatzung. Und auch dieses historische Beispiel zeigt, dass die Realität weit komplexer ist als die oft gezeichneten Extremszenarien. Solche Szenarien werden gerne als abschreckendes Beispiel genutzt, obwohl Kriegsverbrechen leider in vielen Konflikten vorkommen. Naja... ich schweife ab. Um deine Frage kurz und knapp zu beantworten was ich in so einem Szenario tun würde: So viele Leute wie möglich mobilisieren mitzukommen und dann so schnell es geht die Flucht antreten.
Wie bereits mehrfach gesagt ist mir die Souveränität des Staates mein Leben nicht wert. Lieber lebe ich unter Besatzung oder befinde mich auf der Flucht als für ein System zu sterben mit dem ich mich ohnehin nicht identifiziere.
