Evanahhan hat geschrieben: ↑Samstag 31. Januar 2026, 16:41
Desweiteren wurde mir erst kürzlich klar, dass es hier einen kulturellen Unterschied zwischen Ost und West gibt. Dazu hier mal ein Auszug aus dem
Wikipedia-Artikel zum Generischen Maskulinum:
Für das Deutsche wurden in den späten 1970er und den beginnenden 1980er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland von Bundesministerien im Rahmen von Bestrebungen zur Gleichstellung von Mann und Frau für viele Berufsbezeichnungen movierte Formen neu geschaffen und dann lexikalisiert. Gegensätzlich verlief die Entwicklung in der DDR, wo bewusst im Rahmen der Gleichberechtigung auf movierte Berufsbezeichnungen verzichtet wurde.
Ich denke mal, das ist der Grund, dass bei uns im Osten viele eben doch beim generischen Maskulinum die weibliche Form mitdenken bzw. Frauen sich mitgemeint fühlen.
Das hat viel mit der gelebten Realität im Osten zu tun. Die DDR war in der Hinsicht definitiv progressiver als der Westen es heute ist. Dort hieß Geschlechtergerechtigkeit eben doch auch aktive Teilhabe. Und damit beschreibst du in etwa das, was mich dazu gebracht hat das gendern als überflüssig und unwirksam anzusehen. "Sprache schafft Realität" wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, ist aber eben nicht bzw. nur in sehr geringem Maße wahr. Letzten Endes überwiegen eben doch reale Erfahrungen und strukturelle Bedingungen, die dazu führen ob wirklich alle Menschen mitgedacht werden, oder ob es zu Unterdrückungen kommt. Am meisten hat mich das Ganze daher immer aus der linksliberalen Ecke angekotzt. Sich darüber aufregen, wenn irgendwer nicht beim gendern mitmachen will, aber an den Strukturen wie eben auch wirtschaftliche Verhältnisse bloß nicht rütteln wollen. Als ob bereits der Gedanke an Diversität alleine zu irgend einer Verbesserung für irgendwen führen würde. Daher habe ich solche Versuche von linksliberaler Seite immer als kosmetische Eingriffe an einem krebskranken Patienten betrachtet. Klingt hübsch, kostet fast nix (materiell) und man kann sich als unglaublich progressiv verkaufen, obwohl man eigentlich gar nichts bewegt hat.
Denn im Grunde muss man nicht einmal besonders viele Studien lesen um auf den Schluss zu kommen dass eine Änderung des Sprachgebrauches allein gar nichts bewirkt. Schon ein Blick in einige Länder, die kein generisches Maskulinum kennen genügt, um dies zu bestätigen. Ein gutes Beispiel wäre da die Türkei: Im türkischen existiert kein grammatikalisches Geschlecht. Nach Logik von linksliberalen Gender-Befürwortern müsste die Türkei damit eigentlich ein Vorzeigeexemplar von Geschlechtergerechtigkeit sein. Ist sie aber nicht. Laut dem
World Economic Forum (Kurz WEF) befindet sich die Türkei (Stand 2025) in Sachen Geschlechtergerechtigkeit auf Platz 135 von 148. Eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist dort also TROTZ genderneutraler Sprache bei Weitem nicht erreicht und was die Rechte von LGBTQ angeht schaut es dort auch eher mal nicht so rosig aus.
Wer also meint es würde genügen seinen Sprachgebrauch irgendwie anzupassen um für Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen ist in meinen Augen komplett falsch abgebogen. Oder schlimmer noch: Ein Heuchler, dem es eigentlich gar nicht um Geschlechtergerechtigkeit geht, sondern nur darum sich selbst zu profilieren.
Und der „Zeitgeist“ hat sich dahingehend überhaupt nicht geändert. Erst vor kurzem wurde ich auf einer anderen Plattform auch für meine Ansichten „gesteinigt“. Da wurden mir auch übelste Sachen unterstellt. Bin eher verwundert, dass hier mein Kopf noch dran ist… Die Verfechter des Genderns haben sich hier einfach noch nicht zu Wort gemeldet. Kommt sicherlich noch…
Das sehe ich schon etwas anders. Sicherlich gibt es noch immer solche Exemplare, die dich wegen jedem Furz als Nadzi beschimpfen, aber die Zeichen der Zeit stehen in meinen Augen gerade mehrheitlich eher auf backlash und das leider nicht in einer besonders ruhigen oder gar sinnvollen Variante.
"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow