Gendern

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Immersion
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Re: Gendern

Beitrag von Immersion »

Archy hat geschrieben: Sonntag 1. Februar 2026, 12:15
Beispielsweise gab es einen Vorstoß, das Namensanhängsel "ova" für Frauen abzuschaffen,
da es diskriminierend sei. Die große Mehrheit der tschechischen Frauen lehnt das allerdings ab und behält ihr "ova", aber sie können es sich nun aussuchen.
Nicht wenige legen ja Wert darauf, dass die ihrem Geschlecht entsprechend als -in angesprochen werden. Genauso in Stellenausschreibungen die Bezeichnung "divers". Da kam vor einer ganzen Weile Mal ein Beitrag, wo jemand in Stellenausschreibungen das Haar in der Suppe gesucht hat und Firmen wegen Diskriminierung verklagte!
Egal wie man es auch machen wird, man wird es nie allen recht machen können. Wer sich diskriminiert fühlen will wird dies auch.
Ich liebe das Argumentum ad absurdum.
Hier nun angewendet. Nicht direkt auf Deine Position, sondern Technik und Mechanismen:

Hier steht zunächst mal eine Perspektive dessen, der eine Formulierung lesen will, die im Extremfall für ihn alleine gilt.
Es gibt bereits Browser Ad-Ins, die G-Speak-Besonderheiten herausfiltern.
Drehen wir es um: warum keine einfachstmögliche, generische Kommunikation mit einer persönlichen Brille, die die persönlich präferierte Schreibvariante darauf anwendet?
Vielleicht deshalb nicht, weil es nicht nur darum geht, zu lesen, wie man es möchte, sondern weil auch der Anspruch mitklingt, dass Menschen sich auch tatsächlich so verhalten und sogar so denken, wie man es verlangt.
Damit haben wir wieder die Doppelmoral.
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Phönix75
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Re: Gendern

Beitrag von Phönix75 »

Ich kann mich noch erinnern, dass ich noch vor wenigen Jahren dafür fast gesteinigt wurde, wenn ich sowas hier geschrieben hatte. Merkwürdig, was für eine Wende so manche im Kopf vollziehen, wenn manche Sachen nicht mehr Zeitgeist oder im Trend sind. Ich glaube, @Archy und einige andere ältere User hier können das bestätigen. Da war ich öfter mal der Böse. Warum nur, habe ich nicht diese Fähnchen-im-Wind-Mentalität und passe meine Meinung an, wie gerade der Zeitgeist ist? ;)

Im Übrigen wurde bis vor ca. 2,3 Jahren (etwa das Ende der Corona-Zeit) ein Bohei im Randgruppen in diesem Land gemacht und ins Rampenlicht gerückt, die das selbst oft garnicht wollten. Gerade der ganze Geschlechterquatsch wurde doch bis zum Erbrechen in den Medien und der Politik tagein und tagaus geradezu gebetsmühlenartig runtergeleiert und dass sich doch bitte jeder einzunorden hat. Komisch, das kam hauptsächlich von den Grünen, denen ich massiv unterstelle, der intoleranteste Haufen zu sein, den es in D gibt. Gleiches kann man über die Flüchtlingspolitik sagen. Abweichende Meinungen zum Tenor wurden da abgewürgt und einem gleich mit der Keule der Scheitel gezogen und man wurde in Ecken verortet, mit denen man garnix zu tun hatte. Tja, so ändert sich das Meinungsbild in D... je nachdem was halt gerade Mainstream ist. Vorallem den Medien sei Dank. Da brauchte man sich seine Meinung garnicht BILDen, denn da waren alle, fast durch die Bank weg, gleich.
Nichts ist so, wie es scheint.
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Evanahhan
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Re: Gendern

Beitrag von Evanahhan »

Phönix75 hat geschrieben: Sonntag 1. Februar 2026, 15:48 Merkwürdig, was für eine Wende so manche im Kopf vollziehen, wenn manche Sachen nicht mehr Zeitgeist oder im Trend sind.
Wer hat denn hier eine Wende im Kopf vollzogen? Ich jedenfalls nicht. Und der „Zeitgeist“ hat sich dahingehend überhaupt nicht geändert. Erst vor kurzem wurde ich auf einer anderen Plattform auch für meine Ansichten „gesteinigt“. Da wurden mir auch übelste Sachen unterstellt. Bin eher verwundert, dass hier mein Kopf noch dran ist… Die Verfechter des Genderns haben sich hier einfach noch nicht zu Wort gemeldet. Kommt sicherlich noch…
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Immersion
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Re: Gendern

Beitrag von Immersion »

Da war ich noch nicht hier.
Das einzige, was sich bei mir in dieser Hinsicht geändert hat ist, dass ich meine Art, wie ich darüber diskutiere noch weiter auf eine Metaebene verlagert habe.
Zusehe, dass ich persönliche Angriffe vermeide und mich darauf konzentriere, die Methode der Verbreitung zu analysieren.
Es ist ein durch Akademiker getriebenes Thema mit einem impliziten Bildungsgefälle. Die Sprache selbst hat elitäre Züge (das Latein der Gegenwart) und ist absichtlich oder unbewusst mit Abgrenzung verbunden.

Die Verteidigung und Befürwortung ist darauf ausgerichtet, Widerstand von rechts und sozial „unten“ abzuwehren - aber auf eine soziologische und psychologische Diskussion, die auf die Schwächen der Motive und Ziele und fragwürdige Grundannahmen selbst abzielt und sich auf einem Level bewegt, bei dem auch die Akademiker an ihre Grenzen kommen - insbesondere, wenn es interdisziplinär wird - ist sie schlecht vorbereitet. Insbesondere, weil die historischen Hintergründe nur sehr selektiv bekannt sind und aus der Psychologie nur vereinzelte, aber nur verzerrt widergegebene Mechanismen herangezogen werden.
So unfair es wirken mag - ein entsprechender Hintergrund mit Blick über den Tellerrand in Nachbardisziplinen hilft da. Allerdings eher selten, indem es überzeugt - sondern eher darin, zu entzaubern. Dann, wenn das eigene argumentative Fundament instabil wird und die auswendig gelernten Begründungen scheitern, steigt die Lautstärke - und sinkt die Reputation.
Mir ist klar, dass da ebenfalls eine Art Hierarchie mitklingt - aber so ist es nun mal: sie besteht faktisch zunächst vertikal innerhalb einer Disziplin, dann in der Breite der Abdeckung verschiedener Theorien darin und schließlich durch Interdisziplinarität, die nicht nur eine Theorie aus der eigenen stützen soll, sondern auch die Schwächen betrachtet.

Letztlich ist vielleicht auch gerade die Verknüpfung von „dagegen“ und „rechts“ gleichzeitig die Erklärung für die engagierte Verteidigung und eine normative statt fundierte Diskussionsführung.
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Graphiel
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Re: Gendern

Beitrag von Graphiel »

Evanahhan hat geschrieben: Samstag 31. Januar 2026, 16:41 Desweiteren wurde mir erst kürzlich klar, dass es hier einen kulturellen Unterschied zwischen Ost und West gibt. Dazu hier mal ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zum Generischen Maskulinum:
Für das Deutsche wurden in den späten 1970er und den beginnenden 1980er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland von Bundesministerien im Rahmen von Bestrebungen zur Gleichstellung von Mann und Frau für viele Berufsbezeichnungen movierte Formen neu geschaffen und dann lexikalisiert. Gegensätzlich verlief die Entwicklung in der DDR, wo bewusst im Rahmen der Gleichberechtigung auf movierte Berufsbezeichnungen verzichtet wurde.
Ich denke mal, das ist der Grund, dass bei uns im Osten viele eben doch beim generischen Maskulinum die weibliche Form mitdenken bzw. Frauen sich mitgemeint fühlen.
Das hat viel mit der gelebten Realität im Osten zu tun. Die DDR war in der Hinsicht definitiv progressiver als der Westen es heute ist. Dort hieß Geschlechtergerechtigkeit eben doch auch aktive Teilhabe. Und damit beschreibst du in etwa das, was mich dazu gebracht hat das gendern als überflüssig und unwirksam anzusehen. "Sprache schafft Realität" wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, ist aber eben nicht bzw. nur in sehr geringem Maße wahr. Letzten Endes überwiegen eben doch reale Erfahrungen und strukturelle Bedingungen, die dazu führen ob wirklich alle Menschen mitgedacht werden, oder ob es zu Unterdrückungen kommt. Am meisten hat mich das Ganze daher immer aus der linksliberalen Ecke angekotzt. Sich darüber aufregen, wenn irgendwer nicht beim gendern mitmachen will, aber an den Strukturen wie eben auch wirtschaftliche Verhältnisse bloß nicht rütteln wollen. Als ob bereits der Gedanke an Diversität alleine zu irgend einer Verbesserung für irgendwen führen würde. Daher habe ich solche Versuche von linksliberaler Seite immer als kosmetische Eingriffe an einem krebskranken Patienten betrachtet. Klingt hübsch, kostet fast nix (materiell) und man kann sich als unglaublich progressiv verkaufen, obwohl man eigentlich gar nichts bewegt hat.

Denn im Grunde muss man nicht einmal besonders viele Studien lesen um auf den Schluss zu kommen dass eine Änderung des Sprachgebrauches allein gar nichts bewirkt. Schon ein Blick in einige Länder, die kein generisches Maskulinum kennen genügt, um dies zu bestätigen. Ein gutes Beispiel wäre da die Türkei: Im türkischen existiert kein grammatikalisches Geschlecht. Nach Logik von linksliberalen Gender-Befürwortern müsste die Türkei damit eigentlich ein Vorzeigeexemplar von Geschlechtergerechtigkeit sein. Ist sie aber nicht. Laut dem World Economic Forum (Kurz WEF) befindet sich die Türkei (Stand 2025) in Sachen Geschlechtergerechtigkeit auf Platz 135 von 148. Eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist dort also TROTZ genderneutraler Sprache bei Weitem nicht erreicht und was die Rechte von LGBTQ angeht schaut es dort auch eher mal nicht so rosig aus.

Wer also meint es würde genügen seinen Sprachgebrauch irgendwie anzupassen um für Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen ist in meinen Augen komplett falsch abgebogen. Oder schlimmer noch: Ein Heuchler, dem es eigentlich gar nicht um Geschlechtergerechtigkeit geht, sondern nur darum sich selbst zu profilieren.
Und der „Zeitgeist“ hat sich dahingehend überhaupt nicht geändert. Erst vor kurzem wurde ich auf einer anderen Plattform auch für meine Ansichten „gesteinigt“. Da wurden mir auch übelste Sachen unterstellt. Bin eher verwundert, dass hier mein Kopf noch dran ist… Die Verfechter des Genderns haben sich hier einfach noch nicht zu Wort gemeldet. Kommt sicherlich noch…
Das sehe ich schon etwas anders. Sicherlich gibt es noch immer solche Exemplare, die dich wegen jedem Furz als Nadzi beschimpfen, aber die Zeichen der Zeit stehen in meinen Augen gerade mehrheitlich eher auf backlash und das leider nicht in einer besonders ruhigen oder gar sinnvollen Variante.
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Evanahhan
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Re: Gendern

Beitrag von Evanahhan »

Graphiel hat geschrieben: Sonntag 1. Februar 2026, 17:16 […] aber die Zeichen der Zeit stehen in meinen Augen gerade mehrheitlich eher auf backlash und das leider nicht in einer besonders ruhigen oder gar sinnvollen Variante.
Ja gut, im Sinne des allgemeinen Rechtsrucks magst du Recht haben. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich bzgl. Gendern die Einstellung der Leute geändert hat oder nur die mit dem rechten Gedankengut einfach viel lauter geworden sind. An der Vehemenz, mit der von linker Seite „inklusive“ Sprache eingefordert wird, hat sich zumindest in meiner Wahrnehmung nicht viel verändert.
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Re: Gendern

Beitrag von Black Alice »

Naja, eure Erklärungsversuche in allen Ehren, aber die Jugend fängt heute schon damit an korrekt zu gendern, egal was die alten Knacker (also wir) dazu meinen. Für die nächste Generation wird es normal sein. Es ist immer die Übergangsgeneration die Probleme mit Veränderungen hat. Für die Nachfolgegeneration ist die Veränderung Alltag.
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Re: Gendern

Beitrag von Evanahhan »

Ich habe keine Probleme mit Veränderungen, wenn ich sie für Verbesserungen halte. Aber genau das ist ja der Knackpunkt. Ich empfinde sie als Rückschritt.
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Re: Gendern

Beitrag von Graphiel »

Evanahhan hat geschrieben: Sonntag 1. Februar 2026, 17:32 An der Vehemenz, mit der von linker Seite „inklusive“ Sprache eingefordert wird, hat sich zumindest in meiner Wahrnehmung nicht viel verändert.
Definiere bitte links ;)

Ich für meinen Teil sehe das wirklich nicht mehr so stark vertreten, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich diese Vehemenz bezüglich inklusiver Sprache ohnehin nicht mit links in Verbindung bringe und dementsprechend nur noch wenig damit in Berührung komme. Ich sehe am ehesten noch zwei Lager die damit noch herumwüten: A) Besonders laute Einzelstimmen aus linksliberalen Ecken, wozu ich auch Teile der Medienlandschaft zähle. Bei denen habe ich auch das Gefühl, dass sie dem stärker werdenden Rechtsruck damit entgegen treten, dass sie versuchen einfach noch lauter zu schreien. Und das andere wären dann B) Rechtspopulistische Kreise, die gezielt diese Einzelstimmen herausfischen und über alle Maße aufblähen, oder endlos lang immer wieder die gleichen Beispiele benennen. Auch hier finden sich in unserer Medienlandschaft genügend Exemplare, allen voran die bekloppte Springerpresse, oder moderne Plattformen wie Nius und wie der ganze Rotz alle heißt.

@Black Alice
Naja, eure Erklärungsversuche in allen Ehren, aber die Jugend fängt heute schon damit an korrekt zu gendern, egal was die alten Knacker (also wir) dazu meinen. Für die nächste Generation wird es normal sein. Es ist immer die Übergangsgeneration die Probleme mit Veränderungen hat. Für die Nachfolgegeneration ist die Veränderung Alltag.
Das sehe ich übrigens auch anders und zu verallgemeinernd. Auch ich habe viel mit jungen Menschen zu tun und nicht jeder davon gendert. Und nein, auch nicht jeder der es nicht macht ist automatisch auf der Anti-Gendern-Seite zu verordnen. Ich sehe da durchaus eine plurale Entwicklung. Manche gendern, so wie sie es eben für richtig halten und andere eben nicht.
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Re: Gendern

Beitrag von Archy »

Naja ich könnte mir schon vorstellen, dass eine der nachfolgenden Generationen, das Gendern übernehmen wird. Hier und da merkt man ja schon, wie darauf geachtet wird. Und das wird sich weitergeben. Wie intensiv...keine Ahnung
Ansonsten denke ich aber auch, aktuell befinden wir uns an einem Punkt, wo die Leute gendern, weil es erwartet wird und man nicht den Vorwurf der Diskriminierung will. Siehe Stellenausschreibungen. Oder wo man gendert, weil man irgendwas vertritt. Warum sollte sonst jemand gendern?