Gedankenspiel: Technodemokratie

Meldungen aus aller Welt, Meinungen zu allen irdischen Dingen wie Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Alltag und Tagesgeschehen
Benutzeravatar
freewaverX
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 34
Registriert: Montag 12. Januar 2026, 23:50
Gender:

Re: Gedankenspiel: Technodemokratie

Beitrag von freewaverX »

@@Immersion:
Mein Ansatz ist kein "alles weg", sondern "erst weniger". Machtabbau lässt sich mit dem bewussten Verzicht auf unnötige Steuerung besser umsetzen als mit einem neuen Steuerungsdesign. Letztere neigen im Kontext mit Staaten immer dazu, auszuufern und an Effizienz einzubüßen. Ich misstraue also nicht nur bestehenden Strukturen, sondern auch großen Ersatzarchitekturen. ;)

Ein anschauliches Beispiel dafür ist Argentinien unter Milei. Ich meine ausdrücklich nicht als "Zielmodell", aber die dortigen Geschehnisse zeigen eine gangbare Richtung. Dort kommt man ohne neues Steuerungssystem aus, sondern fördert Rückbau von Zuständigkeiten. Es ist sicher nicht jeder einzelne Schritt richtig, doch entscheidend ist grundsätzlich, dass Macht nicht neu verteilt, sondern entzogen wird.
Bei mir würde es mehr Sägespäne geben als Pläne – und genau das ist Absicht.
Exposure keeps me present. Presence keeps me moving.
Benutzeravatar
Immersion
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 141
Registriert: Donnerstag 18. Dezember 2025, 16:40
Wohnort: Rheinland
Gender:
Alter: 48

Re: Gedankenspiel: Technodemokratie

Beitrag von Immersion »

freewaverX hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 14:50 Mein Ansatz ist kein "alles weg", sondern "erst weniger". Machtabbau lässt sich mit dem bewussten Verzicht auf unnötige Steuerung besser umsetzen als mit einem neuen Steuerungsdesign. Letztere neigen im Kontext mit Staaten immer dazu, auszuufern und an Effizienz einzubüßen. Ich misstraue also nicht nur bestehenden Strukturen, sondern auch großen Ersatzarchitekturen. ;)

Ein anschauliches Beispiel dafür ist Argentinien unter Milei. Ich meine ausdrücklich nicht als "Zielmodell", aber die dortigen Geschehnisse zeigen eine gangbare Richtung. Dort kommt man ohne neues Steuerungssystem aus, sondern fördert Rückbau von Zuständigkeiten. Es ist sicher nicht jeder einzelne Schritt richtig, doch entscheidend ist grundsätzlich, dass Macht nicht neu verteilt, sondern entzogen wird.
Bei mir würde es mehr Sägespäne geben als Pläne – und genau das ist Absicht.
Argentinien ist noch so ein Land, bei dem, wenn es mir im Job über den Schreibtisch kriecht, ich erst mal ein dickes rotes Warnsignal vermerke.
Das taugt erst mal nur als Beispiel dafür, wie sehr planloser Rückbau nach dem Prinzip „wird schon!“ schief gehen kann.
Mir fehlen immer noch die konkreten Beispiele, wo genau Du was genau abschaffen würdest - und welche Folgen es hätte. Also ganz ausdrücklich nicht nur die positiven.

Mehr Strukturen kosten Effizienz, weniger führen zu Willkür.
Aber dass mein Ansatz in puncto Effizienz Vorteile haben könnte, hast Du ja schon eingeräumt :lol:
Ernsthaft: ganz egal, was man tut, wirkt nicht immer nur auf eine Weise. Es ist immer ein Abwägen.

Anarchie ist eine nette Idee, wenn sich alle an das Prinzip der Selbstregulierung halten. ALLE. Das setzt voraus, dass auch keine konkurrierenden Systeme mehr existieren und jeglicher Impuls der Bildung von anderen Strukturen unterbunden wird.
Womit wir schon wieder ein Paradoxon haben - sogar praktisch dasselbe wie mit dem Pazifismus in einem anderen Tread.
Dafür benötigst Du eine übergeordnete Superstruktur der totalen Überwachung, um die Bildung einer konkurrierenden Struktur im Keim zu ersticken.
Ich nehme nicht an, dass Du mit Anarchie tatsächlich liebäugelst - da hättest Du Dir die falsche Spezies ausgeguckt.

Also: Bitte konkreter.
Benutzeravatar
freewaverX
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 34
Registriert: Montag 12. Januar 2026, 23:50
Gender:

Re: Gedankenspiel: Technodemokratie

Beitrag von freewaverX »

Immersion hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 15:57
freewaverX hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 14:50 Mein Ansatz ist kein "alles weg", sondern "erst weniger". Machtabbau lässt sich mit dem bewussten Verzicht auf unnötige Steuerung besser umsetzen als mit einem neuen Steuerungsdesign. Letztere neigen im Kontext mit Staaten immer dazu, auszuufern und an Effizienz einzubüßen. Ich misstraue also nicht nur bestehenden Strukturen, sondern auch großen Ersatzarchitekturen. ;)

Ein anschauliches Beispiel dafür ist Argentinien unter Milei. Ich meine ausdrücklich nicht als "Zielmodell", aber die dortigen Geschehnisse zeigen eine gangbare Richtung. Dort kommt man ohne neues Steuerungssystem aus, sondern fördert Rückbau von Zuständigkeiten. Es ist sicher nicht jeder einzelne Schritt richtig, doch entscheidend ist grundsätzlich, dass Macht nicht neu verteilt, sondern entzogen wird.
Bei mir würde es mehr Sägespäne geben als Pläne – und genau das ist Absicht.
Argentinien ist noch so ein Land, bei dem, wenn es mir im Job über den Schreibtisch kriecht, ich erst mal ein dickes rotes Warnsignal vermerke.
Das taugt erst mal nur als Beispiel dafür, wie sehr planloser Rückbau nach dem Prinzip „wird schon!“ schief gehen kann.
Mir fehlen immer noch die konkreten Beispiele, wo genau Du was genau abschaffen würdest - und welche Folgen es hätte. Also ganz ausdrücklich nicht nur die positiven.

Mehr Strukturen kosten Effizienz, weniger führen zu Willkür.
Aber dass mein Ansatz in puncto Effizienz Vorteile haben könnte, hast Du ja schon eingeräumt :lol:
Ernsthaft: ganz egal, was man tut, wirkt nicht immer nur auf eine Weise. Es ist immer ein Abwägen.

Anarchie ist eine nette Idee, wenn sich alle an das Prinzip der Selbstregulierung halten. ALLE. Das setzt voraus, dass auch keine konkurrierenden Systeme mehr existieren und jeglicher Impuls der Bildung von anderen Strukturen unterbunden wird.
Womit wir schon wieder ein Paradoxon haben - sogar praktisch dasselbe wie mit dem Pazifismus in einem anderen Tread.
Dafür benötigst Du eine übergeordnete Superstruktur der totalen Überwachung, um die Bildung einer konkurrierenden Struktur im Keim zu ersticken.
Ich nehme nicht an, dass Du mit Anarchie tatsächlich liebäugelst - da hättest Du Dir die falsche Spezies ausgeguckt.

Also: Bitte konkreter.
Ich glaube, dein Einwand setzt an der falschen Stelle an. "Weniger Staat" heißt für mich nicht regel- oder hierarchiefrei, sondern ohne monopolistischen Herrschaftsapparat. Ordnung entsteht weiter, nur halt nicht mehr per Zwangsdesign. Anarchie heißt hier "Herrschaftslosigkeit" und ist scharf von der alltäglich-naiven Auffassung als bloßes Chaos zu unterscheiden - das wäre dann Anomie.

Das angebliche Paradox "konkurrierender Systeme" ist für mich kein Problem, sondern der Mechanismus. Konkurrenz ist Absicherung. Der Staat ist gerade das System, das Konkurrenz unterbindet.

Argentinien war, wie gesagt, kein Zielmodell, sondern ein Richtungsbeispiel für Machtentzug statt Neudesign. Dass Rückbau reibt, ist trivial, aber das gilt für jeden Rückbauprozess von überkomplizierten Strukturen.

Etwas konkreter, aber ohne "Masterplan":
– Entrümpelung von Genehmigungen und Auflagen
– allmählicher Subventionsabbau
– Rückbau staatlicher Zuständigkeiten, wo vorläufig zumutbar
– Steuern runter oder ganz abschaffen
Exposure keeps me present. Presence keeps me moving.
Benutzeravatar
Immersion
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 141
Registriert: Donnerstag 18. Dezember 2025, 16:40
Wohnort: Rheinland
Gender:
Alter: 48

Re: Gedankenspiel: Technodemokratie

Beitrag von Immersion »

freewaverX hat geschrieben: Mittwoch 28. Januar 2026, 10:21 Ich glaube, dein Einwand setzt an der falschen Stelle an. "Weniger Staat" heißt für mich nicht regel- oder hierarchiefrei, sondern ohne monopolistischen Herrschaftsapparat. Ordnung entsteht weiter, nur halt nicht mehr per Zwangsdesign. Anarchie heißt hier "Herrschaftslosigkeit" und ist scharf von der alltäglich-naiven Auffassung als bloßes Chaos zu unterscheiden - das wäre dann Anomie.
Ich verstehe sie als Ideal durchaus unter dem Prinzip „Ich mache, was mir nützt - solange ich einem anderen damit nicht in die Quere komme und muss es dann mit ihm aushandeln“. Aber das ist nur für isolierte Kleinstgesellschaften geeignet.
Das angebliche Paradox "konkurrierender Systeme" ist für mich kein Problem, sondern der Mechanismus. Konkurrenz ist Absicherung. Der Staat ist gerade das System, das Konkurrenz unterbindet.
Damit denkst Du innerhalb eines Staates als isoliertem System. Aber der ist selbst als ganzer ein System, das mit anderen Staaten konkurriert. Und als solcher bleibt gar keine andere Wahl als ihn so zu konzipieren, dass er stabil genug ist, um sich auch gegen einen Einfluss von außen behaupten zu können. Und da denke ich weit über Militär hinaus - es kann schon so trivial sein wie das Aufkaufen kritischer Infrastruktur.
Adamstown kommt man auch innerhalb eines Staates nicht um einen Rahmen herum, in dem die Konkurrenz geregelt - und begrenzt - abläuft. Wie sollte das auch sonst aussehen?
Argentinien war, wie gesagt, kein Zielmodell, sondern ein Richtungsbeispiel für Machtentzug statt Neudesign. Dass Rückbau reibt, ist trivial, aber das gilt für jeden Rückbauprozess von überkomplizierten Strukturen.
Jede komplizierte Struktur ist die Antwort auf ein vorangegangenes Versagen einer einfacheren Struktur.
Das ist kein Argument für eine in die Unendlichkeit anwachsende Regulierung - aber ein offensichtliches gegen einen planlosen Rückbau.
Bestehende Systeme werden nach Schlupflöchern durchsucht - und wenn ein zuvor geschlossenes wieder geöffnet wird, wird es selbstverständlich unverzüglich wieder genutzt.
Man sollte tunlichst auch nie vergessen, dass der Wettkampf asymmetrisch ist. Die Ressourcen, die die eine Seite in die Umgehung steckt, sind ein Vielfaches dessen, was für eine vorausschauende Anpassung aufgewendet wird.
Was auch immer zurückgebaut wird, muss mit einer Absicherung einhergehen.
Rückbau geht - aber er findet in einem hochgradig komplexen und verwobenen Supersystem mit Einflussfaktoren auch von außerhalb des vermeintlich kontrollierbaren Systems statt.