freewaverX hat geschrieben: ↑Mittwoch 28. Januar 2026, 10:21
Ich glaube, dein Einwand setzt an der falschen Stelle an. "Weniger Staat" heißt für mich nicht regel- oder hierarchiefrei, sondern ohne monopolistischen Herrschaftsapparat. Ordnung entsteht weiter, nur halt nicht mehr per Zwangsdesign. Anarchie heißt hier "Herrschaftslosigkeit" und ist scharf von der alltäglich-naiven Auffassung als bloßes Chaos zu unterscheiden - das wäre dann Anomie.
Ich verstehe sie als Ideal durchaus unter dem Prinzip „Ich mache, was mir nützt - solange ich einem anderen damit nicht in die Quere komme und muss es dann mit ihm aushandeln“. Aber das ist nur für isolierte Kleinstgesellschaften geeignet.
Das angebliche Paradox "konkurrierender Systeme" ist für mich kein Problem, sondern der Mechanismus. Konkurrenz ist Absicherung. Der Staat ist gerade das System, das Konkurrenz unterbindet.
Damit denkst Du innerhalb eines Staates als isoliertem System. Aber der ist selbst als ganzer ein System, das mit anderen Staaten konkurriert. Und als solcher bleibt gar keine andere Wahl als ihn so zu konzipieren, dass er stabil genug ist, um sich auch gegen einen Einfluss von außen behaupten zu können. Und da denke ich weit über Militär hinaus - es kann schon so trivial sein wie das Aufkaufen kritischer Infrastruktur.
Adamstown kommt man auch innerhalb eines Staates nicht um einen Rahmen herum, in dem die Konkurrenz geregelt - und begrenzt - abläuft. Wie sollte das auch sonst aussehen?
Argentinien war, wie gesagt, kein Zielmodell, sondern ein Richtungsbeispiel für Machtentzug statt Neudesign. Dass Rückbau reibt, ist trivial, aber das gilt für jeden Rückbauprozess von überkomplizierten Strukturen.
Jede komplizierte Struktur ist die Antwort auf ein vorangegangenes Versagen einer einfacheren Struktur.
Das ist kein Argument für eine in die Unendlichkeit anwachsende Regulierung - aber ein offensichtliches gegen einen planlosen Rückbau.
Bestehende Systeme werden nach Schlupflöchern durchsucht - und wenn ein zuvor geschlossenes wieder geöffnet wird, wird es selbstverständlich unverzüglich wieder genutzt.
Man sollte tunlichst auch nie vergessen, dass der Wettkampf asymmetrisch ist. Die Ressourcen, die die eine Seite in die Umgehung steckt, sind ein Vielfaches dessen, was für eine vorausschauende Anpassung aufgewendet wird.
Was auch immer zurückgebaut wird, muss mit einer Absicherung einhergehen.
Rückbau geht - aber er findet in einem hochgradig komplexen und verwobenen Supersystem mit Einflussfaktoren auch von außerhalb des vermeintlich kontrollierbaren Systems statt.