Geografische Einflüsse

Alles über Gothic und die Schwarze Szene.
Soiled

Re: Geografische Einflüsse

Beitrag von Soiled »

Grauer Wolf hat geschrieben: Samstag 21. November 2020, 22:25 Du hast in Deiner Aufzählung übrigens Grönland vergessen.
Nicht vergessen - ich kenn halt nix von dort, und ich kenn auch niemanden, der jemals da war und mir davon hätte berichten können. Von Norwegen hab ich ja auch nix gesagt, eben weil ich nix drüber weiß.
Schnee und Eis sind nun halt mal eher weiß denn schwarz... ;-)
Aber die Nächte sind lang und dunkel, das wär dann schon wieder sehr gotisch. ;)
Trotzdem danke für die Links, hat meine Kenntnisse, was Grönländische Musik angeht, deutlich erweitert. Kannte bisher nur so extrem traditionelles Zeug. Was natürlich nie die Realität wiederspiegelt, eh klar.
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CharlotteSchlotter
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Re: Geografische Einflüsse

Beitrag von CharlotteSchlotter »

Ich finde, dass es schon zwischen Köln und dem Ruhrgebiet große Unterschiede in der Szene gibt. Im Ruhrgebiet gibt es mehr Vielfalt und die Gruftis stylen sich mitunter auch sehr viel stärker auf. Hier in Köln gehen viele auch einfach in Jeans und T Shirt weg. Und die Szene hier ist sehr viel mehr post punkig und cold wavig geprägt. Blutengel oder VNV Nation hört man hier eher nicht :lol: Dafür aber auch sowas wie Goethes Erben oder artverwandten 90er Kram nicht.
Aber der Totengräber wird überall getanzt - hab ich zumindest so beobachtet :D
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Eddie Winkler
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Re: Geografische Einflüsse

Beitrag von Eddie Winkler »

Tatronis hat geschrieben: Sonntag 8. November 2020, 14:29

Das Internet prägt sicher die Hörgewohnheiten einzelner, aber was die Zugehörigkeit oder Entwicklung einer lokalen Szene betrifft, hat das ja nicht zwingend einen Einfluss. Wenn nun jemand gern französisches Dark Cabaret hört, kann er das dank des Internets auch problemlos online, aber er wird die Szene und Neu-Dazugestoßende in einer EBM-Hochburg sicher trotzdem weniger prägen als eine schon existierende Gruppe begeisterter EBM, die dort eigene Partys veranstalten und das Clubgeschehen beeinflussen kann. Und so ganz egal ist es dann auch irgendwann dem Konsumierenden nicht mehr, wenn er vielleicht auch mal gern abseits des Internets Diskussionen über seine Lieblingsbands führen will oder einfach mal entsprechende Themenpartys besuchen möchte.
(Ich hoffe ich zitiere richtig)

Meine Antwort jetzt, circa drei Jahre später ist dann Leichenflederei?
Genau das Problem mit dem von dir genannten Beispiel (gut, ich bin da international offener, es muss nicht aus Frankreich sein) habe ich leider. Eine richtige Dark Cabaret Szene gibt es, trotz Potential, nicht. Daher ist das ja Teil der Schwarzen Szene, obwohl es doch ein wenig anders als der Rest ist (düster-alternativ ist es trotzdem). Selbst auf den Konzerten von Meret Becker und den Tiger Lillies habe ich nur ein paar überhaupt Alternative gesehen. Der Rest waren Senioren und ein paar jüngere Menschen, die nach außen hin wie Stinos aussahen... Mein Bruder und ich sind da richtig aufgefallen ;)

Kurzum: In Süd(-west-)deutschland und der Nordschweiz gibt es, trotz ein paar Veranstaltungen in Zürich, keine richtige Dark Cabaret Szene.
Und die Schwarze Szene hört auf "kleineren" (alles außer dem Abby) Parties hauptsächlich Technozeugs..., manchmal noch Metal, aber dann eher normalen als düsteren?
"I wanna do it like Pete Burns, I want your mind to twist and turn"
Mr. Strange
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Pirat von Rhyolith
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Re: Geografische Einflüsse

Beitrag von Pirat von Rhyolith »

In Köln isses ja ein wenig schlaff geworden, was das Szeneleben angeht. Das liegt auch daran, dass inzwischen der hiesige Szeneladen Art of Dark zu, der Besitzer - ein Urgestein der hiesigen Szene - gestorben ist. Und es gab ein ziemliches Sterben was Clubs und Kneipen angeht. Es gibt praktisch keinen Laden mehr, der rein nur noch auf die Schwarze Szene setzt. Diese Entwicklung hat Anfang der 2010er Jahre eingesetzt und wurde in der Corona-Zeit vollendet. Es gibt zwar noch Parties, aber vereinzelter, man muss sich das zusammensuchen. Es ist nicht mehr so, dass ich blind ohne nachzuschauen in Club xy gehen kann und direkt die halbe Szene aus 10 km Entfernung save versammelt sehe - so war es Mitte der 2000er Jahre. Was ich das vermisse.

Letztes Jahr waren wir in Berlin. Weil Kind dabei war nix mit abends weggehen in Clubs, aber tagsüber sind uns schon mehr schwarze Gestalten als in Köln begegnet und es gab noch mehrere Klamottenläden für die Szene, die wir prompt abgeklappert haben :mrgreen: Da merkte ich schon noch mehr Lebendigkeit in dem Ganzen.
Bei anderen Ländern fehlen mir ein wenig Erfahrungswerte. Was mir hier in Köln schon immer auffiel: Gemessen am Bevölkerungsanteil haben wir wenig Türken in der Truppe. Genau genommen hab ich da in 23 Jahren nur zwei von kennengelernt. Und von denen hab ich dann vernommen, dass es in der Türkei durchaus auch eine schwarze Szene gibt, vor allem in Istanbul. Die Schilderung ist aber schon 15 Jahre alt...ich will nicht wissen, wie dieser Szeneableger unter Erdogan seitdem gelitten hat. Auch konnte man mir leider nicht beschreiben, welche Eigenarten es dort unten noch so geben mag, aber ich bin sicher, es gibt sie.

Ich war auch mal 2006 in Kiel auf ner Gruftiparty (in einem Laden namens Räucherei...gibt's den eigentlich noch?). Dort fiel mir auf, dass die zusammengekommene Klientel sich wesentlich stärker aus einem Umkreis bis nach Hamburg hin zusammensetzte. Kiel, Lübeck, Hamburg, Schleswig - das fluktuierte ganz gut hin und her. Das würde ich als einen Szeneraum betrachten. Und das war doch schon sehr unterschiedlich zu Köln. Wenn Du in Köln in der Szene bist, gehst Du zu über 90 % nur in Köln und Leverkusen weg. Die Bonner wiederum bleiben gern überwiegend in Bonn, weil die Stadt zwar kleiner ist, aber dennoch mehr als eine Location hat/hatte. Und die Bonner pendelten zumindest früher auch gerne mal rüber nach Koblenz. Und alles nördlich von Leverkusen...nun...bleibt gerne nördlich von Leverkusen. Irgendwo bei Düren ist die "Szene-Wasserscheide" ob man abends nach Köln oder nach Aachen tourt. Dass grad die Verbindungen der Kölner Szene nach Norden so schlecht sind - noch schlechter als nach Bonn - liegt meines Erachtens nach auch am schlechten Nahverkehrsnetz. Ich hab das ein paar Mal ausprobiert...Touren in den Ruhrpott mit Bus und Bahn sind gruselig, vor allem abends und dann nachts aufm Rückweg. Also blieben und bleiben solche Touren selten und wenn, sucht man sich nach Möglichkeit ne Mitfahrgelegenheit bei einem mit Auto. Ich denke umgekehrt, geht das vielen Ruhrpott-Leuten ähnlich. Dafür gehen die Leute im Ruhrpott auch im gesamten Ruhrpott weg, so ähnlich wie Hamburg-Kiel-Lübeck ein Kontinuum zu bilden scheinen.