In Köln isses ja ein wenig schlaff geworden, was das Szeneleben angeht. Das liegt auch daran, dass inzwischen der hiesige Szeneladen Art of Dark zu, der Besitzer - ein Urgestein der hiesigen Szene - gestorben ist. Und es gab ein ziemliches Sterben was Clubs und Kneipen angeht. Es gibt praktisch keinen Laden mehr, der rein nur noch auf die Schwarze Szene setzt. Diese Entwicklung hat Anfang der 2010er Jahre eingesetzt und wurde in der Corona-Zeit vollendet. Es gibt zwar noch Parties, aber vereinzelter, man muss sich das zusammensuchen. Es ist nicht mehr so, dass ich blind ohne nachzuschauen in Club xy gehen kann und direkt die halbe Szene aus 10 km Entfernung save versammelt sehe - so war es Mitte der 2000er Jahre. Was ich das vermisse.
Letztes Jahr waren wir in Berlin. Weil Kind dabei war nix mit abends weggehen in Clubs, aber tagsüber sind uns schon mehr schwarze Gestalten als in Köln begegnet und es gab noch mehrere Klamottenläden für die Szene, die wir prompt abgeklappert haben

Da merkte ich schon noch mehr Lebendigkeit in dem Ganzen.
Bei anderen Ländern fehlen mir ein wenig Erfahrungswerte. Was mir hier in Köln schon immer auffiel: Gemessen am Bevölkerungsanteil haben wir wenig Türken in der Truppe. Genau genommen hab ich da in 23 Jahren nur zwei von kennengelernt. Und von denen hab ich dann vernommen, dass es in der Türkei durchaus auch eine schwarze Szene gibt, vor allem in Istanbul. Die Schilderung ist aber schon 15 Jahre alt...ich will nicht wissen, wie dieser Szeneableger unter Erdogan seitdem gelitten hat. Auch konnte man mir leider nicht beschreiben, welche Eigenarten es dort unten noch so geben mag, aber ich bin sicher, es gibt sie.
Ich war auch mal 2006 in Kiel auf ner Gruftiparty (in einem Laden namens Räucherei...gibt's den eigentlich noch?). Dort fiel mir auf, dass die zusammengekommene Klientel sich wesentlich stärker aus einem Umkreis bis nach Hamburg hin zusammensetzte. Kiel, Lübeck, Hamburg, Schleswig - das fluktuierte ganz gut hin und her. Das würde ich als einen Szeneraum betrachten. Und das war doch schon sehr unterschiedlich zu Köln. Wenn Du in Köln in der Szene bist, gehst Du zu über 90 % nur in Köln und Leverkusen weg. Die Bonner wiederum bleiben gern überwiegend in Bonn, weil die Stadt zwar kleiner ist, aber dennoch mehr als eine Location hat/hatte. Und die Bonner pendelten zumindest früher auch gerne mal rüber nach Koblenz. Und alles nördlich von Leverkusen...nun...bleibt gerne nördlich von Leverkusen. Irgendwo bei Düren ist die "Szene-Wasserscheide" ob man abends nach Köln oder nach Aachen tourt. Dass grad die Verbindungen der Kölner Szene nach Norden so schlecht sind - noch schlechter als nach Bonn - liegt meines Erachtens nach auch am schlechten Nahverkehrsnetz. Ich hab das ein paar Mal ausprobiert...Touren in den Ruhrpott mit Bus und Bahn sind gruselig, vor allem abends und dann nachts aufm Rückweg. Also blieben und bleiben solche Touren selten und wenn, sucht man sich nach Möglichkeit ne Mitfahrgelegenheit bei einem mit Auto. Ich denke umgekehrt, geht das vielen Ruhrpott-Leuten ähnlich. Dafür gehen die Leute im Ruhrpott auch im gesamten Ruhrpott weg, so ähnlich wie Hamburg-Kiel-Lübeck ein Kontinuum zu bilden scheinen.