Wer würde denn die Geisteswissenschaften vermissen?

Religionen, Wissenschaften, Theorien etc.
Soiled
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 1258

Re: Wer würde denn die Geisteswissenschaften vermissen?

Beitrag von Soiled » Mittwoch 6. November 2019, 12:18

Grauer Wolf hat geschrieben:
Mittwoch 6. November 2019, 09:45
die eben selbständig denken und gedanklich neues Terrain erschließen können.
Dafür muss man aber eben auch bereit sein, seine Meinung zu ändern. :)

Gaaaaanz früher war ich ja auch eher so hardcore-naturwissenschaftlich unterwegs. Ich war sogar stolz drauf, in der einzigen Soziologie-Vorlesung, die ich je hatte, die schlechteste Note meiner Uni-Karriere hingelegt zu haben. Muss man sich mal vorstellen - stolz auf meine eigene Blödheit und Ignoranz ... und, klar, durch meine innere Verweigerung hab ich es denen natürlich auch gezeigt. :lol: Naja, ich war jung und dumm. Inzwischen hab ich ein bisschen dazugelernt. Wenn auch nur ein bisschen.

²) Rein theoretisch wäre es möglich, sich auch mit dem Thema »Gender« wissenschaftlich auseinanderzusetzen.
Auch praktisch.
Aber das würde hier zu weit führen, geht in dem Thread ja um Geisteswissenschaften, und Gender Studies gehören nun mal eher zu den Sozial- und Kulturwissenschaften.
Le bon sens est la chose du monde la mieux partagée: car chacun pense en être si bien pourvu, que ceux même qui sont les plus difficiles à contenter en toute autre chose, n'ont point coutume d'en désirer plus qu'ils en ont. - René Descartes -

Schattenwurf
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 560
Wohnort: Hamburg
Alter: 40

Re: Wer würde denn die Geisteswissenschaften vermissen?

Beitrag von Schattenwurf » Mittwoch 6. November 2019, 22:03

Grauer Wolf wenn jemand von "Bildung" schwadroniert, kommt mir immer Nietzsche in den Sinn.
"Sie haben etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten."
Nichts für ungut.

"Rein theoretisch wäre es möglich, sich auch mit dem Thema »Gender« wissenschaftlich auseinanderzusetzen."
Jup ... rein theoretisch, wäre es auch möglich das Schweine flögen ...
wenn sie Flügel hätten. ^^ Vielleicht sollten wir Schweinestudies einführen, um das wissenschaftlich zu klären.

"Um es einmal grob vereinfacht zu sagen: Bildung ist die Fähigkeit, ohne geistige Betreuung selbständig denken, lernen, begreifen und neuartige Gedanken ergreifen zu können."
Also autodidaktische Querdenker, die auch Gedanken formulieren die nicht common sense sind?
Wo findet man diese Menschen jetzt in den Hörsälen dieser Welt?
Verteilt in homöopathischen Dosen, vielleicht?

Ich sehe da immer einen Haufen Menschen, die einem Vortragenden folgen.
Und im Anschluss fleißig zitieren können.
Eigenständige Gedanken? Ernsthaft?

Btw ... des Denken von bisher Unbedachten, ist ganz großes Bähbäh in der Gesellschaft.
Das geht per se gar nicht. Oder wollen wir über "linksgrünversifft" disputieren? Auch gerne im Scherz. ;)
Great minds discuss ideas;
average minds discuss events;
small minds discuss people.

Soiled
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 1258

Re: Wer würde denn die Geisteswissenschaften vermissen?

Beitrag von Soiled » Freitag 8. November 2019, 19:36

Und weil wir grad dabei sind: Es gibt da ja ein kuscheliges Interview in der (mal wieder) NZZ, wo sich zwei Leute, die beide keine Gender-Studies etc. mögen, unterhalten. Kritischer Journalismus sieht imho anders aus, die bestätigen sich die ganze Zeit nur gegenseitig, weil sie eine gemeinsame Agenda haben. Naja. Jedenfalls hat der eine Typ und sein Team Bullshit-Paper geschrieben und eingereicht, ein Teil wurde akzeptiert. So weit so interessant, kann man sich ja mal anschauen.
Aber: Es wirkt total affig, weil die selber dabei komplett unwissenschaftlich vorgegangen sind. Eine sehr hübsche Reaktion darauf gibt es, sollte man sich mal durchlesen. Zitat: "One is that a study where n=20 doesn't demonstrate that a particular discipline has methodological problems. It simply means that - when all is said and done - 7 crappy papers were accepted by non-specialist journal editors based on their reviewers' recommendations. Big whoop! Frankly, this shows us that on this occasion reviewers failed. On 7(!) occasions. We do not know whether the same would have transpired if hundreds of such papers had been submitted to the same journals. It's one such paper per journal. Talking anecdotal, this is as anecdotal as it gets. (...) As far as I can see, there wasn't even a control group (say, 20 manuscripts submitted to analytical journals, 20 manuscripts submitted to STEM subjects)."

Keine Kontrollgruppe! n viel zu klein! Die Aussagekraft von so einem "Versuch" ist ziemlich ... mäßig, freundlich formuliert; niemand, der auch nur ansatzweise ein bisschen wissenschaftlich gearbeitet hat, kann das groß ernst nehmen. Klar, auf Laien macht es vielleicht Eindruck, weil das in die derzeit beliebte "Haben wir es den doofen Gender-Leuten mal wieder gezeigt!"-Kerbe schlägt. Ich gestehe dem so viel Relevanz zu wie wenn mir mein Friseur erzählt, dass bei seinen Kindern Homöopathie wirklich 1a hilft ...

Und jetzt gehe ich ein bisschen weinen, weil sicher viele, viele Leute so ein Interview als "Beweis" für ihre vorgefasste Meinung sehen werden ...

Edit: Weil's mir grade einfällt: Die Anti-Vaxxer kriegen ja auch immer mal wieder Paper durch. Das allererste, von dem Wakefield, war ja auch Mist, und ist immerhin in "The Lancet" erschienen. Sag ich deswegen, dass man medizinischen Fachzeitschriften absolut nicht trauen darf? Nö. Kritisch beäugen sollte man sie natürlich, so wie alles, aber ungelesen gleich zu sagen "ist eh unwissenschaftlich" fände ich etwas kurz gedacht.
Zugegebenermaßen bin ich auch nicht sooooo Medizinerfreundlich; hatte ja ganz am Anfang Vorlesungen in Mathe/Physik und teilweise Chemie mit den Medizinstudenten zusammen, und es war kein schöner Anblick. :lol: Und ein Bekannter hat sich seine zwei Buchstaben mit dem Thema "Das Mamma-Karzinom im Zweiten Weltkrieg" verdient. Kein Scheiß jetzt. Er lacht selber drüber, also darf ich mich auch ein klein wenig lustig machen.
Le bon sens est la chose du monde la mieux partagée: car chacun pense en être si bien pourvu, que ceux même qui sont les plus difficiles à contenter en toute autre chose, n'ont point coutume d'en désirer plus qu'ils en ont. - René Descartes -

SchwarzeKatz
Bestätigtes Mitglied
Beiträge: 908
Wohnort: Hamburg
Gender:
Alter: 35

Re: Wer würde denn die Geisteswissenschaften vermissen?

Beitrag von SchwarzeKatz » Sonntag 10. November 2019, 16:46

Und jetzt gehe ich ein bisschen weinen, weil sicher viele, viele Leute so ein Interview als "Beweis" für ihre vorgefasste Meinung sehen werden ...
Das ist doch überall so.
Was meinst du warum es so viele rechte pseudowissenschaftliche Verschwörungstheoretiker und Anhänger von diesem Schwachfug gibt?
Chemtrails ja, die Illuminaten wollen uns alle dezimieren ,Klimawandel nein, Greta Thunberg ist nur eine Schauspielerin.
Es gibt keinen KW.Damit wollen die linken Ökofaschisten uns unterdrücken und die NWO einführen!11
Alles Satanisten!!1Die Queen of England ist ein Kinderfressendes Reptil und die betreiben hier Terraforming ,damit die anderen Echsen es hier auch schön warm haben.
Aber Klimawandel ,nieeeeemals!
...we are the dancers,
we create the dreams."
*A. Einstein*

"Despite that jellyfish has survived for 650 million years,
without having brains...
gives hope to many people."
*unknown*

Antworten