Wohin mit meinen Büchern?
Ich bin ja so ne Leseratte. Also so richtig. Ich lese beim Bahnfahren, manchmal beim spazieren gehen, bei längeren Klogängen, beim Fernsehen, vorm Schlafengehen, beim Chillen aufm Balkon, wenn ich Arbeit hab während der Pausen.
Entsprechend sammeln sich bei mir die Bücher an. Aus Papier, denn E-Book mag ich nicht, ebenso wenig Hörbuch. Und da ich gute Bücher wenn sie Romane sind gerne öfter lese und wenn es Sachbücher sind häufig noch für meine Schreibprojekte brauche, ist ihre Anschaffung in aller Regel auch auf dauerhaften Besitz ausgelegt.
Das Problem machte sich erstmals bemerkbar als ich am Ende meines Studiums endlich bei meinen Eltern auszog. Ich zog in ein kleines Dachgeschossloch. Wie sich zeigte passten meine Bücher nicht alle rein. Ein Drittel lagerte erstmal bei meinen Eltern. Wohlgemerkt: Nachdem ich etwas ausgemistet hatte.
Einige Monate später zogen meine schwangere Frau und ich um in eine größere Wohnung. Die Bücher fanden einen leidlichen Platz in einem Sammelsurium zusammengewürfelter Regale. Sah jetzt nicht soooo schön aus...aber nun gut, ich bin ja Pragmatiker.
Letztes Jahr nun bin ich wieder umgezogen. Diesmal wollte ich die Gelegenheit nutzen, einen richtigen Bücherschrank zu holen. Das erwies sich als gar nicht so einfach!
Ich hatte folgende Grundkriterien:
- das Ding sollte hoch sein
- das Ding sollte dunkel, am besten schwarz, sein
- das Ding sollte eine Rückwand haben
- das Ding sollte viele Fächer für verschiedene Bücherformate haben
Schnell merkte ich, dass es sowas in den meisten Möbelgeschäften nicht gab. Immer nur diese dämlichen Wohnwände, mit ner gigantischen Fernsehfläche, aber nur ein paar Alibi-Fächern für ne Handvoll Bücher. Oder ich hätte mir mehrere Billyregale zusammengeschustert...hätte aber auch nicht schön ausgesehen. Die Zeit lief mir schließlich davon, der Umzugsetat war auch längst überzogen und Ende vom Lied: Das Regal-Sammelsurium blieb mir erstmal erhalten.
Nächster Anlauf: Erstes Quartal 2018. Es stand der Einzug meiner neuen Lebensgefährtin an, die brachte ein E-Piano mit, das irgendwo hin musste und ich hatte wieder etwas Geld angespart. Einen besseren Ansporn zur Umgestaltung des Wohnzimmers gabs nicht. Also wieder auf Schranksuche gegangen. Am Ende bei zwei kleineren Möbelhäusern nur zwei Angebote reingekriegt. Das eine war in dunkel mit Rückwand als Sonderbestellung zu haben, aber nur 2 komma irgendwas hoch. Das andere war zwar 3 m hoch, aber hell und definitiv ohne Rückwand.
Määääh...kann doch nicht so schwer sein Mensch....
Ich klagte mein Leid bei einem kleinen Umtrunk einem Bekannten. Ich hatte verdrängt, dass er mal Schreiner gelernt hatte. Der bot mir dann an: Ich mach Dir das.
Also hab ich mich ans Milimeter-Papier gesetzt und meinen Wunsch-Bücherschrank entworfen.
3 m hoch.
1,95 m breit (breiter ging nicht, weil limitiert durch Wohnzimmertür und E-Piano).
40 cm Tiefe.
18 Fächer, davon ein großes für Fernseher und DVD-Rekorder.
Natürlich mit Rückwand.
Mein Bekannter baute dann. Ich mistete nochmal Bücher aus. Von den verbliebenen Büchern legte ich eine Datenbank an.
Und dann, nur zwei Stunden bevor der Umzugstransporter meiner Liebsten vor der Tür stand....stand das Ding endlich.
Was war das ein Akt, dieses Ding aufzubauen. Meine Güte.
Und in der Wand verdübeln, versteht sich.
Wir standen andächtig davor.
Der Schrank war schwarz.
Wir haben das Ding andächtig den "schwarzen Riesen" getauft. Meinem Kumpel hab ich die Materialkosten plus eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlt. War immer noch billiger als alles halbgares aus dem Möbelhaus.
Ich bin gerade sehr glücklick.
Es ist noch Platz für neue Bücher jetzt. Hach....
