Zurück und gut aufgewacht nach einem mal wieder sehr schönem Konzert von Covenant. Da ich mit einer Freundin mit körperlicher Behinderung da war und ich als Begleitperson kostenlos dabei sein durfte, macht es das Erlebnis umso schöner. Angekommen im Columbia Theater, in dem ich zugegebenermaßen noch nie war, sondern nur nebenan in der größeren Columbiahalle, war es also von der Location her eine Premiere. Und die kleinere Halle gefällt mir sogar besser, weil eben nicht soviele Leute reinpassen. Es war recht gut gefüllt, trotz des überaus mistigen Wetters... harscher Schnee, Eisglätte, Nieselregen und Schneematsch... alles was der Winter so zu bieten hat. Einen Rollstuhl da halbwegs ordentlich zu bewegen ist schon eine Herausforderung. Wir durften sogar über den Behinderteneingang hinein, welcher uns von einer (ich wundere mich jetzt noch) überaus freundlichen und zuvorkommenden Security aufgeschlossen wurde. Selbst während des Konzertes wurde von der Security angeboten, dass die Freundin, wenn sie denn mal aufs Klo müsste, sich bei der Security melden kann und ihr die Behindertentoilette aufgeschlossen würde. Natürlich ist es beim Konzert schwierig für eine Rollstuhlfahrerin ordentlich was zu sehen, wenn es keine erhöhten Plattformen gibt. Aber links von der Bühne wurde ein Stück freigehalten, so dass dann doch ganz gute Aussicht auf die Bühne war. Schon alleine das hat mich begeistert, in einem sonst doch recht unfreundlichen und unorganisierten Deutschland. Manchmal wird man doch noch positiv überrascht, was in Berlin garnicht so einfach ist. Allerdings sind die Getränkepreise schon eine ganz andere Nummer. Da nippe ich dann doch eher länger an einem Getränk, als ich es sonst tun würde. Das ist schon ein Sprung, da ich ja nicht so häufig auf größeren Veranstaltungen bin, im Vergleich zu vor Corona. 50 bis 70% höhere Preise für ein bisschen Gaumen befeuchten ist schon eine Ansage. Warum nur verdiene ich nicht 50 bis 70% mehr? Dann würde mich das nicht jucken. Die Organisation war sehr flüssig. Die Vorband oder Special Guest spielte pünktlich. War mir bisher unbekannt und hatte vorher nur mal kurz reingehört. Er nannte sich Isaac Howlett und es war relativ seichter Synthie/Electropop. Nunja... es klang besser als die Hörprobe vorher, aber irgendwo auch recht beliebig. Er und sein Bruder (am Keyboard) versprühten zwar Spielfreude, aber diese relativ hohe Stimme des Herrn sagten mir dann nicht so ganz zu. 6 oder 7 Songs später war es dann auch vorbei. Nach einer kurzen Pause (höchstens 10 Minuten), kamen dann die 3 Herren aus Schweden auf die Bühne. Ja, Eskil ist schon ein recht charismatischer Mensch. Und eine kleine Anekdote am Rande... kurz nachdem wir in der Halle angekommen waren, stand plötzlich ein hagerer Typ neben uns, der uns begrüßte und fragte, wie es uns denn ginge? Ich konnte den nicht zuordnen und wußte garnicht was ich antworten sollte, da mir äußerlich auf den ersten Blick nicht bekannt. Erst ein paar Minuten später sagte mir die Freundin, dass es doch der Sänger Eskil war. Ähem... ja gut, den hatte ich vor ca., grob übern Daumen gepeilt, 20 Jahren das letzte Mal gesehen, als er noch Haare aufm Kopf hatte. Da ich in der Zwischenzeit Covenant nicht mehr wirklich verfolgt hatte, wußte ich auch nicht, dass der Keyboarder und Gitarrist Andreas Catjar-Danielsson Mitte '24 mit 51 Jahren an Krebs verstorben ist. Das erschütterte mich dann doch ein wenig. Dieser Scheiß Krebs rafft einfach zuviele Menschen dahin und dann auch noch so früh.
An seine Stelle trat jetzt Daniel (immer diese Daniels

). Daniel also auf der linken Seite am Keyboard, Vocoder und Mikro, eine recht prägnante Erscheinung; Joakim auf der rechten Seite, hinter einem kleinen Maschinenberg und Eskil am Mikro in der Mitte.
Und sogleich begann vorallem Eskil eine sehr spielfreudige Performance. Ein Hit (die gesamte Bandbreite ihres Schaffens) nach dem anderen wurde zum Besten gegeben. Neben "Call the Ships to Port", "Ritual Noise", "Theremin" und "Stalker", waren auch ein paar mir unbekannte Songs dabei, da ich nach dem Skyshaper-Album aufgehört hatte, weitere Tonträger zu kaufen, was ich wahrscheinlich jetzt nachholen werde. Auf jeden Fall spürte man die Energie von der Bühne, wie sie recht schnell aufs Publikum übersprang und die Menge zu wippen und Kopfnicken animierte, was sich dann zunehmend steigerte. Zum Schluß wurde getanzt und mitgesungen. Neben ein paar ruhigen Songs und 2 Zugabenblöcken war nach "We stand alone" dann nach knapp 2 1/2 Stunden Schluß. Die Leute waren, neben uns, doch sehr begeistert und angetan.
Wenn man so zurückdenkt, dass Covenant nun schon seit ca. 1986 Musik machen und sie mich auch eine recht lange Zeit begleitet haben, man gemeinsam gealtert ist und der Flair noch genauso da war, wie bei den Konzerten früher, wird das bei mir wieder lange nachhallen. Es war ein sehr schöner Abend, trotz der widrigen Wetterverhältnisse.
