Bloody Arthur hat geschrieben: ↑Freitag 1. Juni 2018, 18:03
Zum Beispiel hänge ich gerne Aussagen wie "denke ich zumindest" oder "das ist jedenfalls meine Meinung" an einen Satz heran. Das ist eigentlich unnötig aber es wahrt eine Art "Guten Ton". Man kann damit ziemlich viel sagen oder kritisieren ohne jemanden über den Mund zu fahren... find ich gut.^^
Ich glaub das geht eher in Richtung Streitkultur. Wenn man sich mit jemandem in die Haare gerät kann man sehr viel an Aggressionspotential rausnehmen, wenn man immer wieder betont, daß das, was man äußert, eben nur eine persönliche Wahrnehmung ist, kein Fakt. Funktioniert auch im Privaten: "Du bist ein Arschloch!" hört sich ganz anders an als "Einige Deiner Aussagen verletzen mich".
Grauer Wolf hat geschrieben: ↑Freitag 1. Juni 2018, 19:59
Ich persönlich habe letztendlich Respekt vor Leuten, die sowohl des gehobenen Deutsch mächtig sind als sich auch in die Niederungen der Gassensprache begeben können; die je nach Situation sowohl »Nasennégligée« als auch »Schnodderlumpen« sagen können. Noch beeindruckter bin ich von Zeitgenossen, die selbiges in mehreren Sprachen oder Dialekten beherrschen.
Ooooh, absolut. Ich find's ja immer wieder toll, wenn ich mit jemandem ganz normal rede, die dann schnell mal ihre Oma auf dem Dorf anrufen und ich mir denk "Äh ... das ist aber schon so eine Art Deutsch, oder?" Die bekommen das teilweise ja nicht mal mit, wie sehr sich ihre Sprache ändert. Sehr cool das ganze.
Phönix75 hat geschrieben: ↑Freitag 1. Juni 2018, 21:09
Wer die gehobener Sprache mit allerlei Fremdwörtern beherrscht, kann sich auch in der Gossensprache herniederlassen, wenn er es denn wünscht. Andersherum funktioniert das nicht. Ist generell beim Niveau so.^^
Ich bereue es ja schon ein bißchen, im Titel "gehoben" geschrieben zu haben, weil das einen Wertunterschied impliziert, der als solcher ja nicht existiert. "Niederungen" und "herniederlassen" hört sich ebenso leicht abwertend an. Aber auch "Gossensprache" hat ein eigenes Vokabular und eine eigene Grammatik, die man erst mal lernen muss, um halbwegs authentisch zu wirken.
Ganz extrem war das ja beim African-American Vernacular English, also dem, was wir hier hauptsächlich über Hiphop mitbekommen. Das ist eigentlich eine stinknormale Varietät des Englischen, aber bis sich dann mal endlich ein paar Linguisten drangesetzt und gezeigt haben, daß es über komplexe und konsistente Strukturen verfügt, galt es immer nur als "minderwertiges" Englisch. Teilweise tut es das immer noch, leider.
@Demon89 Ich würde nicht sagen, daß mir spezielle Ausdrucksweisen direkt zuwider sind. Alles hat seine Zeit und seinen Platz. Wenn jemand bei Dirty Talk oder so plötzlich anfängt, von "Beischlaf" zu reden, kann das die Stimmung schon ein bißchen ruinieren.
