Wehrdienst

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Frauenliebe
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Frauenliebe »

Das klingt alles sehr interessant.
Kann denn jemand ausführlich über seine Erfahrungen dort berrichten?
(Ich denke dass das mit in dieses Thema passt, da es Alternativen und Ergänzungen zum Thema beinhalten könnte)

Ich könnte jetzt über die Suche nach den Begriffen suchen,
(Was ich auch gemacht habe und fast immer mache)
Aber das ersetzt nicht die Berichte aus erster Hand.
Warum wurde das denn alles dicht gemacht?

Wie war es dort?
Was habt ihr gelernt?
Was habt ihr erlebt?
Und wie lange wart ihr dabei und welche Prozesse haben dann daran mitgewirkt dass das alles aufgelöst wurde?

Gibt es heute gar keine Alternativen mehr dazu? Ich meine ernsthafte Alternativen?
Teile des Ganzen können das Ganze nicht erkennen, außer sie sind identisch mit dem Ganzen.
abdurrazzaq
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Re: Wehrdienst

Beitrag von abdurrazzaq »

Erstmal grundsätzlich, alle diese Organisationen standen unter dem Einfluss der kommunistischen Ideologie der SED und wurden von der Stasi unterwandert, auch bei den Pionieren, also Kindern. Bei der GST hatte ich erstmals Umgang mit richtigen Waffen wie zum Beispiel einer Kalaschnikow gehabt. Wenn es mal zu einem Ernstfall kommen würde, hätte ich schon gerne so eine Kaschi gehabt. Die waren robust, unempfindlich und treffsicher.
Es gab immer wieder mal Zeltlager, man lernte das Zusammenleben, das sich Unterordnen in einer Gruppe und wie man sich organisiert, immer unter militärischen Gesichtspunkten. Es gab auch eine Uniform. Ich war gerne mit dabei, wenn es für ein paar Tage irgendwo in einen Wald ging. Man kam da auch mit Soldaten der NVA und mit Sowjetsoldaten zusammen und wir haben auch gemeinsame Gelände-Übungen gemacht, zum Beispiel wie man sich im Gelände im Kriegsfall bewegt oder man lernte auch den Umgang mit Karte und Kompass.
Habe da keinen Führerschein gemacht, weil ich schon im Rahmen meiner Berufsausbildung den Führerschein gemacht hatte. Ich war bis zur Einberufung zur NVA bei der GST, nach den 18 Monaten Armeezeit nicht mehr. Nach dem Ende der DDR und damit SED und Stasi wurden alle Organisationen abgewickelt. Alle Führungskräfte mussten abtreten, die waren alle 200%ig überzeugte SED-Parteimitglieder. Zu dem Zeitpunkt war ich 30 Jahre alt. Aber ich muss sagen, ich hatte in all diesen Organisationen eine schöne und erlebnisreiche Jugendzeit. Nur diese Rotlichtbestrahlung mochte ich überhaupt nicht und bin deswegen auch öfters angeeckt. Bei der NVA kam ich auch deswegen für 5 Tage in den Bau.
Es gibt meines Wissens nach heutzutage keine wirklichen Alternativen zur damaligen GST mehr, selbst Pfadfinder und Burschenschaften reichen da nicht heran. Finde ich irgendwie schade. Gerade jetzt in diesen unruhigen Zeiten wäre so etwas straff organisiertes sehr nützlich, aber ohne ideologische Einflussnahme durch was auch immer.
Nachtrag:
Solche straffen Organisationen aufzubauen ist in einer Demokratie fast unmöglich. Sowas funktioniert fast immer nur in diktatorisch regierten Ländern. Stichwort Gleichschaltung.
Gärtner sterben nie, sie beissen nur ins Gras.
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Immersion
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Immersion »

Unter dem Aspekt „Abgrenzung untereinander und gegenüber Wehrdienst“ zumindest noch in Steinwurfreichweite des Themas.
Ich selbst war bei den Pfadfindern - und selbst da gibt (oder eher „gab“) es extreme Unterschiede.
Direkt zum Thema drängen sich natürlich die Organisationen (in Abgrenzung zu Bewegungen, aber auch solche) auf, die explizit und intentional auf Militär vorbereiten - anders als solche, die nur militärische Wurzeln haben oder davon unabhängig sind.
Richtig unabhängig sind sie alle nicht, weil sie alle entweder aus den Pfadfindern hervorgegangen sind - oder die direkt oder indirekt als Vorlage dienten. Die Pfadfinder haben ihre militärischen Wurzeln im Burenkrieg, aber eine (para-)militärische Ausbildung habe ich da nirgends gesehen (und ich hatte mit meinem eigenen Bund in den 90ern und später bei Ehemaligentreffen zu tun, heute ab und zu Berührungspunkte mit dem DPSG). Thema für sich.
Aber die ideologische Prägung in die eine oder andere Richtung haben diese Organisationen wohl alle - auch der Wandervogel, mit dem ich AUCH mal eine Zeit lang Kontakt hatte (und dann schreiend weggelaufen bin).
Was gerade das angeht, gibt es da speziell zur Bundeswehr - so wie ich sie erlebt habe (ich war ja auch in keinem der Infanterieverbände mit… sagen wir mal „Tradition“) einen sehr deutlichen Unterschied. Da GAB es eine Richtung, aber geradezu zwanghaft neutral und nur auf die Verfassung ausgerichtet. Nicht pluralistisch, sondern auf eine Weise unpolitisch, die auf ihre Art auch schon wieder befremdlich war.
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Phönix75
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Phönix75 »

Burschenschaften sind Verbindungen, die mir extrem widerstreben. Nicht umsonst wirft man einigen auch vor, rechtsextreme Ansichten zu haben und zudem sehr merkwürdige Rituale zu pflegen. Ich meide von Grund auf Männeransammlungen von mehr als 3 Kerlen. Alles darüber treibt das Niveau solche einer Zusammenrottung gen Null. Nicht mein Ding. Ich würde solche Verbindungen nicht mit ehemaligen DDR-Organisationen vergleichen.
Nichts ist so, wie es scheint.