Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

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Graphiel
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Re: Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Beitrag von Graphiel »

Es ist bezeichnend, dass du den ‚selbstständigen Paketboten‘ oder die ‚Friseurin‘ als moralisches Schutzschild anführst, um ein Steuersystem zu verteidigen, dessen größte Profiteure ganz sicher nicht Haare schneiden oder Pakete ausliefern. Deine Rechnung von 48,3 % ist ein theoretisches Konstrukt, das in der Praxis der großen Vermögen kaum Anwendung findet. Gehen wir das doch mal sachlich durch. Ich versuche es auch so kurz wie möglich zu halten:

1. Die Holding-Realität vs. das Friseurin-Beispiel:
Du pochst auf Rechtsformneutralität, ignorierst aber die massive Privilegierung von Kapitalgesellschaften durch Steuerstundung. Ein Paketbote oder ein Angestellter muss sein Einkommen sofort versteuern. Ein Kapitalanleger kann Gewinne in einer Holding parken, wo sie (dank § 8b KStG) nahezu steuerfrei (ca. 1,5 % effektive Last) reinvestiert werden können. Die von dir zitierten 48,3 % fallen erst an, wenn man sich alles privat auszahlen lässt – was Großvermögen zur Steueroptimierung schlicht vermeiden oder über Jahrzehnte strecken. Diese Option hat kein Arbeitnehmer.

2. Der ‚Äpfel-mit-Birnen‘-Vergleich bei der Abgabenlast:
Wenn du behauptest, 48,3 % lägen weit über der Besteuerung von 90 % der Arbeitnehmer, unterschlägst du die Sozialabgaben. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer trägt 2026 eine Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialversicherung, die oft an die 50 % des Arbeitgeberbruttos heranreicht – ohne dabei die Haftungsbeschränkung einer GmbH oder die Gestaltungsmöglichkeiten eines Investors zu genießen. Der Arbeitnehmer zahlt für das soziale Netz, während Kapitalerträge von Sozialabgaben komplett befreit sind.

3. Regulierung als ‚Strohmann‘?
Dass du den Verweis auf den automatischen Informationsaustausch (AIA) als Strohmann abtust, ist schwach. Es ist die technische Realität, die das Schreckgespenst der ‚Kapitalflucht in die Schweiz‘ weitgehend entzaubert hat. Wer heute noch mit der Flucht des Kapitals droht, um Gerechtigkeitsdebatten zu unterbinden, nutzt eine Argumentation aus den 90ern.

Es geht nicht darum, die Rechtsformneutralität abzuschaffen, sondern anzuerkennen, dass das aktuelle System die Akkumulation von Kapital massiv bevorzugt, während die Mittelschicht über die Lohnsteuer und Sozialabgaben die Hauptlast trägt. Die ‚Hilfsgröße‘ Abgeltungsteuer ist de facto ein Privileg für diejenigen, deren Einkommen hoch genug ist, um nicht auf Arbeit angewiesen zu sein. Dass du zugegebenermaßen zynische Reaktion einfach nur als ‚unwürdigen Anfall‘ bezeichnest, ändert nichts an der statistischen Realität der Vermögenskonzentration in Deutschland.
Immersion hat geschrieben: Montag 12. Januar 2026, 19:57 Nicht pauschal. Aber im Kontext der Verwaltungskosten für Sozialausgaben war das für Dich noch ein erhebliches Einsparpotenzial.
Jau, bei einer theoretischen Rechnung zur möglichen Finanzierbarkeit eines BGEs (was mal das eigentliche Thema war). Äpfel und Birnen... wieder mal.
Immersion hat geschrieben: Montag 12. Januar 2026, 19:57 Das hier nimmt schon wieder extreme Ausmaße an.
In der Tat nimmt das Ausmaße an, die mit dem ursprünglichen Thema (BGE) schon lange nichts mehr zu tun haben. Es ist mühselig, gegen ein Weltbild zu argumentieren, das die 1,5 % Steuerlast großer Holdings hinter der Besteuerung von GbRs oder dem Schicksal von selbstständigen Paketboten versteckt, um den Status Quo zu retten. - Auch wenn diese Beispiele für die tatsächliche Vermögenskonzentration kaum eine Rolle spielen. Wer die Privilegierung von Kapital derart kreativ schönrechnet und Gerechtigkeitsfragen damit abtut, bei dem vergeht mir ohnehin die Lust am diskutieren. Da spare ich mir doch lieber die Zeit für sinnvollere Diskussionen als dieses neoliberale Lehrbuch-Rezitieren. :roll:
"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow
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Immersion
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Re: Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Beitrag von Immersion »

Wie Du willst. Du schaffst es nicht, ohne Zuschreibung von Weltbildern zu diskutieren und abzuwerten, wenn Du in Erklärungsnot kommst. Und das kommst Du - da ist mir einfach zu viel populistisches Halbwissen mit Absolutheitsanspruch drin.
In Ordnung, fühle Dich überlegen.
Du bist mir zu laut.
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Fanchen
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Re: Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens

Beitrag von Fanchen »

Ich hab die hier entstandene Diskussion mal abgetrennt und gesperrt. Ich glaube, das hat sich eh festgefahren.

Hier kann es mit Themenbezug gerne weitergehen.
"If you ignore the rules people will, half the times, quietly rewrite them so that they don't apply to you."
- Terry Pratchett, Equal Rites