Veränderung von Kultur und Literatur

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Immersion
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Re: Veränderung von Kultur und Literatur

Beitrag von Immersion »

MVWAckerZichorie hat geschrieben: Dienstag 23. Juli 2024, 12:19,
wie findet ihr das, wenn man aus "2000 Meilen unter dem Meer" "Findet Nemo" macht
Weil letzteres mit ersterem nichts als den Namen gemein hat?
Was soll ich dann davon halten, das Jules Verne diesen Namen von Homer entliehen hat?

Es gibt nun wirklich bessere Beispiele, an denen man sich stören könnte.
DAS ist so egal, wie es nur sein kann. Eine entfernte Hommage - nicht mehr als eine Anspielung.
Schmerzhaft wird es dort, wo Geschichten nur noch als Leinwand dienen, um politische Botschaften gänzlich anderer Art zu tragen.
Aber auch da messe ich mit zweierlei Maß.
Vielleicht liegt es daran, welcher Art die Botschaft ist und welche Version ich zuerst kennenlerne.

An Starship Troopers hat es mich nicht gestört - das hat mit der Vorlage auch so gar nichts mehr gemein.
Aber Rings of Power und dergleichen?

Oder „kindgerechte, freie Interpretationen“?
Was ist mit Grimms Märchen, die kaum noch jemand in deren „originalen“ Fassungen kennt? Anführungszeichen? Wer kennt schon die Fassungen, die ihrer Sammlung zugrunde liegen und die die Grimms in bereits entschärfter Fassung veröffentlichten?
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Black Alice
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Re: Veränderung von Kultur und Literatur

Beitrag von Black Alice »

Und dabei sind Grimms Märchen heute nicht mehr zumutbar. Zu viel Gewalt.

Aber Nemo habe ich bis heute noch nicht gesehen. Mich stört es nicht, wenn man andere zur Vorlage nimmt. Viele dieser Geschichten sind doch eh alle gleich bis auf ein paar Details. Der Kern ist immer der gleiche. Man sitzt ein paar Jahrzehnte vor der Glotze und freut sich wie eine Schneekönigin wenn ein neuer Film kommt. Dann aber merkt man irgend wann, ey, das kenne ich doch schon, ey, das ist doch immer das gleiche. Du weiß dann was gleich passiert, Du weißt, wie der Protagonist reagieren wird, Du weißt in welche Richtung die Geschichte gehen wird... und der Filmkonsum nimmt dann ab. Es ist auch interessant, welche gesellschaftliche Botschaften jedes Jahrzehnt mit den Filmen verbreitet werden. Mal wird es freizügig, mal wieder konservativer, mal frecher, mal spießiger.
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Graphiel
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Re: Veränderung von Kultur und Literatur

Beitrag von Graphiel »

Black Alice hat geschrieben: Donnerstag 1. Januar 2026, 02:49 Und dabei sind Grimms Märchen heute nicht mehr zumutbar. Zu viel Gewalt.
Wobei die zum Teil in ihrem Original einen durchaus kritischen und sinnvollen Blick selbst auf moderne Themen werfen könnten und das weit besser als es jede abgespeckte bis in sich verdrehte Version die danach kam jemals tat. Ein gutes Beispiel wäre da in etwa Schneewittchen. Im Original hing das Thema "Vergänglichkeit" an allen Ecken und Enden in der Luft. Da war die Figur des Schneewittchens nicht einfach nur die einer wunderschönen Märchenprinzessin, die außer "Gut aussehen" nichts zu erzählen hatte, sondern die Figur wurde im Grunde sogar noch vor ihrer Zeugung mit den optischen Erwartungshaltungen der eigenen Mutter ins Leben geschickt und musste sich daran dann auch messen lassen, natürlich besonders von der Stiefmutter die offensichtlich ein Problem mit dem altern hatte. Das Schneewittchen den vorweg getätigten Erwartungshaltungen dann auch entsprach (rot wie Blut, weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz) war nach Grimm also nicht nur ein Segen, sondern gleichzeitig auch ein Fluch, den man heute durchaus gesellschaftskritisch mit einbauen könnte, auch ohne großartige Gewaltdarstellungen. Leider haben das moderne Interpretationen aber komplett ignoriert und zu Gunsten der Kitsch-Romantik teils bis ins absurdeste verdreht. - Siehe die Realverfilmung vom letzten Jahr, die Dank pseudoprogressiver Verdrehungen sogar noch ihre ältere Zeichentrickvorlage maßlos unterbot. ;)
Black Alice hat geschrieben: Donnerstag 1. Januar 2026, 02:49 Viele dieser Geschichten sind doch eh alle gleich bis auf ein paar Details
Viele basieren halt auf grundsätzlich ähnlichen Bausteinen. Das Konzept einer Heldenreise findest du ja auch in gefühlt jedem dritten Film, der ein Abenteuer beinhaltet. Die viel wichtigere Frage ist inzwischen da eher wie Filmemacher damit umgehen: Sind sie kreativ und nutzen die Bausteine mit viel Finesse, oder produzieren sie am laufenden Band die selben einfallslosen Handlungsstränge und Dialoge, oder (der Kritikpunkt geht in erster Linie an moderne, deutsche Produktionen) sie sind so verkopft, das selbst in Komödien jeder noch so winzige Strohhalm von raffiniertem Humor gleich wieder plattgetreten wird.
"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow