Damit kann ich leben

Ich würde dir zustimmen, wenn du damit meinst, dass man nicht immer genügend Informationen für eine klare Entscheidung hat. Aber wenn man davon ausgeht, dass alle relevanten Informationen verfügbar sind, sehe ich nicht, was einer objektiven Entscheidung im Weg stehen sollte. Bei positiven *und* negativen Auswirkungen kann man ja sehen, ob man das gegeneinander aufwiegen kann, oder ob bestimmte negative Auswirkungen vielleicht generell nicht akzeptabel sind -- aber auch da würde ich sagen, dass eine objektive Bewertung prinzipiell machbar sein sollte. Wenn auch vielleicht nicht einfach.
Ich gehe dabei jetzt schon von einem gemeinsamen, objektiv begründeten Wertesystem aus, das auf ein paar wenigen Axiomen aufgebaut ist. Sinnvoll erscheint mir da zum Beispiel, dass man gesund sein möchte (das hatte ich, glaube ich, schon erwähnt). Es braucht keine detaillierten Vorgaben dafür. Aber alleine darauf lässt sich beispielsweise begründen, dass Stehlen negativ ist: Weil es beim Bestohlenen zu Stress führt und die Lebensqualität/Gesundheit eingeschränkt wird. Ist nicht das intuitivste Beispiel, aber Gesundheit und Diebstahl hatten wir schon, und ich denke es zeigt, dass man mit sowas Einfachem schon recht weit kommt.Evanahhan hat geschrieben: ↑Montag 17. Januar 2022, 13:56Selbst die Begriffe positiv und negativ ergeben sich ja aus dem jeweiligen Wertesystem. Was nach unserem Maßstab negativ ist, kann in einem anderen Wertesystem positiv sein.
Selbst nach unserem Maßstab kann es sogar erwünscht sein, dass etwas negative Auswirkungen auf jemanden hat, nämlich als Strafmaßnahme.
Wenn du jetzt also mit einem anderen Wertesystem argumentierst, in dem Stehlen positiv ist, müsstest du erklären, warum eine Einschränkung der Gesundheit akzeptabel ist. Ausdenken lässt sich so ein System sicherlich, aber ich frage mich, wie sinnvoll das dann wäre. Eine einfache Möglichkeit wäre einfach zu sagen: Gesundheit ist nicht erstrebenswert, krank sein ist besser. Das ist aber wohl keine realistische Einstellung.
Darin, dass negative Auswirkungen manchmal erwünscht sind, würde ich dir widersprechen. Strafmaßnehmen sind generell ja auch dazu da, die Situation zu verbessern -- vielleicht nicht gerade für eine bestimmte Person, aber gesellschaftlich gesehen eben. Wenn eine Person also bewusst anderen schadet, ist das eine denkbare Abwehrmaßnahme dagegen. Das kann sicherlich auch in Rache ausarten, was dann zu weit ginge, aber das muss es nicht.
Den ersten beiden Sätzen würde ich zustimmen; bei der Gelegenheit würde ich vielleicht einmal klarstellen, dass ich Handlungen zwar für objektiv bewertbar halte, aber richtig und falsch nicht absolut sind. Nach meinem obigen Beispiel ist Stehlen also falsch, aber das ist keine absolute Wahrheit. Wenn man irgendwann feststellt, dass Stress eigentlich positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat (... ja, ich strapaziere das Beispiel ziemlich), könnte man die Bewertung verändern.Evanahhan hat geschrieben: ↑Montag 17. Januar 2022, 13:56Es ist also nicht allgemeingültig festgelegt, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Das lässt sich nur innerhalb eines Wertesystems festlegen. Wenn sich dann Gruppen mischen, wo es schon bei den grundlegendsten Werten Abweichungen gibt, gestaltet sich das Zusammenleben eben kompliziert und dann kommt es eben zu Parallelgesellschaften innerhalb eines Landes, in welchem durch die Gesetzgebung die grundlegendsten Regeln verbindlich vorgeschrieben sind. Es können sich aber auch innerhalb einer Gesellschaft Gruppen bilden, die unterschiedliche Wertesysteme ausbilden. Kracht dann ebenfalls mitunter.
Was ist wichtiger? Das Individuum oder die Gemeinschaft? Da haben Menschen unterschiedliche Vorstellungen, es lässt sich aber nicht objektiv beurteilen, was richtig oder falsch ist.
Ich denke, dass die restlichen Sätze, besonders der letzte, von dem, was ich oben geschrieben habe, bereits beantwortet werden.