Ich hab ja nix gegen Tiere. Wirklich nicht. Aber was mich an Tierrechtlern stört ist ihre Kurzsichtigkeit. Ist ja nicht mal groß ihre Schuld, dadurch, daß die meisten von uns vollkommen von der Natur entfremdet sind, haben wir halt ein verzerrtes Bild von ihr. Die netten, mehr oder weniger gut erzogenen Hunde in Deutschland sind etwas ganz anderes als verwilderte Hunde in Entwicklungsländern. Wenn man sich da mal abends verspätet, auf dem Heimweg von sehr unangenehmen Meuten verfolgt wird und sich fragt, ob die Tollwut-Impfung noch aktuell ist, ist das schon ein ziemlich unangenehmes Gefühl. Been there, done that. Und ich kann ja immer wieder weg, Einheimische sitzen fest mit den Biestern und können sich keine Impfung leisten. Unberechtigt ist die Angst auf keinen Fall, grade in Indien ist Tollwut ein massives Problem.
Verwilderte Haustiere stellen auch eine extreme Bedrohung für die Biodiversität dar. Das Problem mit freilaufenden Katzen sollte inzwischen jeder kennen, aber auf Inseln sieht das noch deutlich schlimmer aus. Macquarie Island ist da so ein Paradebeispiel. Zuerst haben sie die eingeschleppten Katzen abgeschossen - sehr löblich und vernünftig imho. Dann haben sich die (ebenfalls eingeschleppten) Kaninchen und Ratten natürlich extrem vermehrt, so daß man gegen die vorgehen mußte.

Aber man muß gar nicht so weit gehen, um mentale Unterschiede beim Tierschutz zu sehen - in D ist die Stopfmast von Gänsen zur Erzeugung von Foie gras verboten, in Frankreich wurde es zum nationalen Kulturgut erklärt.

Tja, was tun - sollte man andere Länder ihr eigenes Ding machen lassen? Sollte man ihnen unsere Wertmaßstäbe aufdrängen oder hat das schon wieder etwas von Kolonialismus?