Schritt eins: Präventives Leugnen. Warum muss man sich überhaupt für etwas verteidigen, das sowieso nie von einem behauptet wurde?
Schritt zwei: Begründung, warum man kein extremer/radikaler xy ist.
Schritt drei: Zeigen, dass man doch ein (gemäßigterer) xy ist. Dadurch, dass es extremere Formen gibt, wird's allerdings nicht besser.
Ein ähnliches Sprachmuster würde ich z.B. zeigen wenn ich sagte "Ich bin ja keine Feministin, ich mag ja Männer, aber ich finde schon, dass mehr in Elternzeit gehen sollten." So eine Überzeugung macht mich selbstverständlich zu einer Feministin, selbst wenn ich es leugne.
Auf die inhärente Diskursverschiebung geh ich jetzt gar nicht erst ein, das würde zu weit führen.
Ich hab auch kurz eine Mini-Umfrage in meinem Bekanntenkreis gemacht - ich mag ja Feedback von anderen Menschen sehr gern. Sogar halbwegs repräsentativ - von Sozialhilfeempfänger über Handwerker, Künstler und Mediziner war alles dabei. Die Leute mit Migrationshintergrund (ekelhaftes Wort) haben mir sofort zugestimmt, bei denen ohne solchen brauchte es teilweise etwas Überzeugungsarbeit. Da kam z.B. das Argument "Kann man nicht gleichsetzen, bei Impfgegnern liegt es schlicht an mangelndem Wissen, dass Ausländerfeindlichkeit schlecht ist sollte dagegen auch ein ungebildeter Mensch erkennen". Finde, dass das wenig überzeugend ist, weil auch rassistische/antisemitische usw. Leute das in in den seltensten Fällen aus tatsächlicher Bösartigkeit sind sondern weil sie ihr Verhalten und ihre Aussagen einfach nicht als rassistisch/antisemitisch usw. erkennen. Und wenn man versucht, ihnen das zu erklären, schmollen sie und konstruieren durch Täter-Opfer-Umkehr ein künstliches Feindbild ("Gutmensch" als Schimpfwort, "Tugend-Terror" usw.), damit sie vor sich selber wieder besser dastehen. Ganz klassische Abwehrmechanismen.

Und noch ein kurzer sprachlicher Exkurs: Um "kritisch" zu sein braucht es eine gewisse Grundkompetenz. Man sollte imho z.B. zumindest als absolutes Minimum so gut Englisch können und ein bissi was von Statistik verstehen, dass man die originalen Paper lesen kann. Und stichhaltige Argumente braucht man auch.
Wenn die Kompetenz und die Argumente nicht da sind ist man nämlich nicht "kritisch" sondern einfach nur "ablehnend", aus einem Bauchgefühl heraus. Und, sorry, Leute, Gefühle wirken auf mich wenig überzeugend. Sagt doch einfach, dass Ihr die Wirkungsweise der Impfung nicht versteht und deswegen (irrational) Angst habt, Herrschaftszeiten. Es ist doch keine Schande, etwas nicht zu wissen! Und dann setzt Euch auf den Arsch und lest ein paar Artikel anstatt zu verlangen, dass Euch alles vorgekaut wird, Ihr seid doch keine Kinder mehr.
Also, ja, ich hätte gern mal ein paar bessere, faktenbasierte Argumente, nicht immer nur dieses "Das stimmt nicht!" (ohne weitere Begründung), "Nichts darf man mehr sagen!" und "Ich mag Soiled nicht!". Insbesondere letzteres bringt mich allerdings immer wieder zum Lachen, danke dafür.

Btw: Ich finde es nicht "demokratiefeindlich", wenn man Leute für ... nun ja ... auf manchen Gebieten eher weniger kompetent hält und ihnen das auch sagt. Übrigens ein weiteres schönes Beispiel für inszenierte Opferrolle in Kombination mit Projektion.
Klar, ich hab ja nur einen Teil meiner Master-Arbeit über RNA geschrieben, und es war nicht mal menschliche. Natürlich bin ich kein Experte. Aber ich glaub dass ich genug davon verstehe, um zu wissen, dass die Gefahr, die von der Impfung ausgeht, absolut zu vernachlässigen ist. Ist wie mit ... was weiß ich ... Spatzen. Kann durchaus sein, dass ein wildgewordener Piepmatz einen attackiert und die Augen aushackt. Gibt auch Leute mit Vogel-Phobie, die das durchaus befürchten. Aber als allgemeine Handlungsempfehlung Sperlinge zu vermeiden wär ja dann doch eher ein bissi blöd, oder?
Aber vielleicht wirkt ein menschelndes Argument ja besser, obwohl ich die nicht leiden kann. Also. Meine Mutter ist 70, sie steht immer noch täglich mit FFP2-Maske in der Apotheke, weil die jüngeren KollegInnen Kinder betreuen müssen. Sie sieht, wie die Stammkunden wegsterben bzw. grauenhafte Langzeitfolgen davontragen. Sie begibt sich jeden Tag in Lebensgefahr, um anderen zu helfen und die Pandemie mit einzudämmen statt ihren wohlverdienten Ruhestand zu genießen - nicht so extrem wie in anderen Gesundheitsberufen, eh klar, aber trotzdem. Und jeder, der sagt "Ich warte noch mit der Impfung!" trägt dazu bei, dass sie immer noch länger und länger und länger dieses Risiko eingehen muss. Die Frau ist fit wie ein Turnschuh, bin mir sicher, dass sie 90 wird - allerdings nur, wenn sie sich nicht infiziert. Dass ich da natürlich denke "Danke für nix, ihr unsolidarischen Schnieptröten" sollte doch nachvollziehbar sein, oder?
Ich hab meine Eltern übrigens seit über einem Jahr nicht gesehen. Ich hab meinen besten Freund seit fast einem Jahr nicht gesehen, weil mehrfache Risikogruppe - ich würde mir das nie im Leben verzeihen, wenn ich ihn anstecke, sein Herz ist (angeboren) so scheiße, dass ihn Covid mit ziemlicher Sicherheit töten würde. Es gibt Tage, an denen ich vor Sehnsucht nach ihm heule. Um die Ausgangsfrage nach dem "danach" zu beantworten: Ich würde einfach wieder die Menschen treffen wollen, die ich liebe. Und ich habe eine seit längerem stehende Einladung nach Madeira, der ich gern nachkommen würde.