Ich habe mir jetzt auch nochmal ganz in Ruhe alle 3 Teile der Berichterstattung "Leipzig trägt schwarz" angeschaut und muss jetzt, mit etwas mehr Abstand sagen, dass ich den Bericht als gar nicht so grottig empfand, wie es mein erster Eindruck mir suggerierte. Gut fand ich zum Beispiel die Aussage des WGT Pressesprechers, dass es halt nicht nur jene gibt, die das ganze als eine Art Karneval betrachten, sondern halt auch die anderen, welche ein Lebensgefühl darin sehen und danach leben. Auch gefallen hat mir die Aussage (ich glaube im zweiten Teil) von dem Mann, der beim Stichwort Fotografen dann ehrlich sagte, dass er das die Knippserei eigentlich nicht mag, wenn dann aber einer halt mal höflich nach einem Foto fragt dann auch mal ein Auge zudrückt. Sowas hat dann für mich echt nichts mehr mit kamerageile Rampensau zu tun, wie man es den heutigen Szenegängern ja gerne mal vorwirft. Ebenfalls gut fand ich den kleinen historischen Schlenker zu den 90ern, wobei ich mir da tatsächlich noch ein etwas früherer Ansatz in den 80ern besser gefallen hätte. Das Ich als Zeitzeugen da jetzt zu nehmen... naja, ab den Einflüssen der neuen Deutschen Todeskunst halt legitim, lassen wir das mal so stehen. Aber wenigstens wurden auch Bands wie Bauhaus und The Cure genannt, die man zurecht bei einem kleinen Exkurs in die Szeneanfänge nennen darf und auch sollte.
Nicht so gut gefallen hat mir, dass leider wieder auch einige Musterexemplare befragt wurden, bei denen auch ich nicht den Eindruck hatte, als hätten sie noch irgendeinen Bezug zu den Anfängen der schwarzen Szene, geschweige denn eine Ahnung davon. Beispielsweise das ältere Pärchen im ersten Teil, oder die Dame im Pfauenkostüm und ihr Mann(?). Aber ok, das war natürlich auch teils im "Heidnischen Dorf" gefilmt worden. Kann man jetzt drüber Schimpfen und verteufeln, kann man aber auch ignorieren. Also ich kann es zumindest. Für sich als Cosplay betrachtet geht das für mich in Ordnung, ich muss das ja nicht mitmachen. Hut ab aber auch von mir an die Kostümdesigner, da waren durchaus beeindruckende Stücke dabei. Auch nicht so gut gefallen hat mir die für meinen Geschmack unnötig lange Erwähnung der finanziellen Aspekte im EMP Shop. Für einen völlig Außenstehenden ist es vielleicht erwähnenswert, dass das WGT Leipzig ja durchaus auch wirtschaftlich Vorteile bringt, mehr als das hätte ich dann aber auch nicht mehr gebraucht. Schon gar nicht, um es dort stellenweise so aussehen zu lassen, als sei Gothic einfach nur ein teures Hobby.
Neutral habe ich den Auftritt vom gefühlten Gothic-Dauershowmaster Mark Benecke. Nicht, dass ich jetzt ein Fan von ihm bin, aber als wirklich störend empfinde ich ihn in der Doku jetzt nicht. Vielleicht kann man ihn inzwischen als eine Art prominente Schnittstelle zwischen der schwarzen Szene der Buntwelt betrachten. Immerhin hat er als Kriminalbiologe inzwischen ja auch außerhalb der Szene an Bekanntheit gewonnen.
Abschließend muss ich noch Grauer Wolf recht geben, was den Mangaeinfluss angeht. Den hatte ich tatsächlich jetzt stärker vertreten erwartet, aber man kann sich ja schließlich auch verspekulieren.

"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow