Gedankenspiel: Technodemokratie
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freewaverX
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Interessant an dem Gedankenspiel ist aus meiner Sicht der Umstand, dass es wohl tatsächlich auf ein effizienteres System hinausliefe.
Das führt mich zu einer Frage, die ich mir vorab stelle: Ist ein Expertengremium mit Vetorecht nicht erst recht eine Machtinstanz ohne (demokratische) Legitimation? Staatlicher Zwang wird so systemseitig rationalisiert und abstrahiert, aber zu welchen Kosten?
Da mir die Frage der Freiheit wichtig ist, sehe ich diese Form der Steuerung ähnlich kritisch wie alle anderen Formen davon, die staatliche Zuständigkeit nicht eindämmen, sondern tendenziell verschärfen.
Das führt mich zu einer Frage, die ich mir vorab stelle: Ist ein Expertengremium mit Vetorecht nicht erst recht eine Machtinstanz ohne (demokratische) Legitimation? Staatlicher Zwang wird so systemseitig rationalisiert und abstrahiert, aber zu welchen Kosten?
Da mir die Frage der Freiheit wichtig ist, sehe ich diese Form der Steuerung ähnlich kritisch wie alle anderen Formen davon, die staatliche Zuständigkeit nicht eindämmen, sondern tendenziell verschärfen.
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Immersion
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Da halte ich mal dagegen, dass die Machtinstanz mit Vetorecht in letzter Konsequenz auch beim BVerfG gegeben ist.freewaverX hat geschrieben: ↑Donnerstag 22. Januar 2026, 00:02 Interessant an dem Gedankenspiel ist aus meiner Sicht der Umstand, dass es wohl tatsächlich auf ein effizienteres System hinausliefe.
Das führt mich zu einer Frage, die ich mir vorab stelle: Ist ein Expertengremium mit Vetorecht nicht erst recht eine Machtinstanz ohne (demokratische) Legitimation? Staatlicher Zwang wird so systemseitig rationalisiert und abstrahiert, aber zu welchen Kosten?
Da mir die Frage der Freiheit wichtig ist, sehe ich diese Form der Steuerung ähnlich kritisch wie alle anderen Formen davon, die staatliche Zuständigkeit nicht eindämmen, sondern tendenziell verschärfen.
Ferner, dass es da nicht um etwas geht, was sich demokratisch überhaupt regeln lässt - es geht ja schließlich nicht um Richtungsentscheidungen. Demokratie gestaltet. Aber Demokratie bestimmt nicht, was möglich ist.
Das BVerfG sorgt für die Einhaltung des verfassungsrechtlichen Rahmens, das Expertengremium für die Vereinbarkeit mit dem, was über den Zustand der Realität als gesichert gilt.
Zur Freiheit: Eine uneingeschränkte Freiheit existiert nicht, kann nicht erreicht werden. In diesem System wird ihr an einer Stelle eine Grenze gesetzt - aber an einer anderen Stelle - bei der sehr viel direkten Wahl der Ressortpolitik - ein deutlich weiteres Feld als bisher geöffnet. Unterm Strich bleibt SEHR viel mehr Freiheit - im Sinne von: Einfluss durch den Wähler - als bisher.
Oder siehst Du das anders?
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freewaverX
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
@Immersion:
Du eröffnest mit deinem Konstrukt aber offene Kriterien wie "Wirksamkeit" oder "Stand der Realität" zur Steuerungsgrundlage und schaffst damit eine neue Definitionsmacht. Darin sehe ich den Schwachpunkt, der durch politische Ränkespiele früher oder später de facto unterminiert würde. Ein System, das offene Kriterien zur politischen Steuerung macht, verlagert Macht letzten Endes nicht, sondern entgrenzt sie. Und das sehe ich sehr kritisch.
Meine Auffassung von Freiheit ist weniger die bessere Auswahl innerhalb eines Systems, sondern für mich relevant ist die Begrenzung dessen, worüber überhaupt entschieden wird. Freiheit wird so durch Nicht-Entscheidung durch im Grunde willkürliche Drittentscheidungen geschützt. Mehr Wahlmöglichkeiten sind aus der Perspektive kein tatsächlicher Freiheitsgewinn, wenn der Rahmen staatlicher Steuerung dabei weiter wächst.
Dein Punkt konzentriert sich auf die Verbesserung der Prozesse innerhalb des Systems, mein Standpunkt rückt die Begrenzung von Machtausübung an sich ins Licht.
So verstehe ich das bisher jedenfalls.
Das BVerfG kontrolliert und agiert im Unterschied dazu in einem vorher normativ (verfassungsrechtlich) begrenzten Rahmen. Das ist ein geschlossener Rechtsrahmen.Immersion hat geschrieben: ↑Donnerstag 22. Januar 2026, 08:26Da halte ich mal dagegen, dass die Machtinstanz mit Vetorecht in letzter Konsequenz auch beim BVerfG gegeben ist.freewaverX hat geschrieben: ↑Donnerstag 22. Januar 2026, 00:02 Interessant an dem Gedankenspiel ist aus meiner Sicht der Umstand, dass es wohl tatsächlich auf ein effizienteres System hinausliefe.
Das führt mich zu einer Frage, die ich mir vorab stelle: Ist ein Expertengremium mit Vetorecht nicht erst recht eine Machtinstanz ohne (demokratische) Legitimation? Staatlicher Zwang wird so systemseitig rationalisiert und abstrahiert, aber zu welchen Kosten?
Da mir die Frage der Freiheit wichtig ist, sehe ich diese Form der Steuerung ähnlich kritisch wie alle anderen Formen davon, die staatliche Zuständigkeit nicht eindämmen, sondern tendenziell verschärfen.
Ferner, dass es da nicht um etwas geht, was sich demokratisch überhaupt regeln lässt - es geht ja schließlich nicht um Richtungsentscheidungen. Demokratie gestaltet. Aber Demokratie bestimmt nicht, was möglich ist.
Das BVerfG sorgt für die Einhaltung des verfassungsrechtlichen Rahmens, das Expertengremium für die Vereinbarkeit mit dem, was über den Zustand der Realität als gesichert gilt.
Zur Freiheit: Eine uneingeschränkte Freiheit existiert nicht, kann nicht erreicht werden. In diesem System wird ihr an einer Stelle eine Grenze gesetzt - aber an einer anderen Stelle - bei der sehr viel direkten Wahl der Ressortpolitik - ein deutlich weiteres Feld als bisher geöffnet. Unterm Strich bleibt SEHR viel mehr Freiheit - im Sinne von: Einfluss durch den Wähler - als bisher.
Oder siehst Du das anders?
Du eröffnest mit deinem Konstrukt aber offene Kriterien wie "Wirksamkeit" oder "Stand der Realität" zur Steuerungsgrundlage und schaffst damit eine neue Definitionsmacht. Darin sehe ich den Schwachpunkt, der durch politische Ränkespiele früher oder später de facto unterminiert würde. Ein System, das offene Kriterien zur politischen Steuerung macht, verlagert Macht letzten Endes nicht, sondern entgrenzt sie. Und das sehe ich sehr kritisch.
Meine Auffassung von Freiheit ist weniger die bessere Auswahl innerhalb eines Systems, sondern für mich relevant ist die Begrenzung dessen, worüber überhaupt entschieden wird. Freiheit wird so durch Nicht-Entscheidung durch im Grunde willkürliche Drittentscheidungen geschützt. Mehr Wahlmöglichkeiten sind aus der Perspektive kein tatsächlicher Freiheitsgewinn, wenn der Rahmen staatlicher Steuerung dabei weiter wächst.
Dein Punkt konzentriert sich auf die Verbesserung der Prozesse innerhalb des Systems, mein Standpunkt rückt die Begrenzung von Machtausübung an sich ins Licht.
So verstehe ich das bisher jedenfalls.
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Das ist auch fast alles richtig. Nur der Punkt mit der reinen Wahlmöglichkeit greift viel zu kurz. Die wird nicht nur durch das Debundling der Programme gesteigert - sondern auch die unmittelbare Durchsetzbarkeit gestärkt.
Eingeschränkt durch 3 Faktoren:
Verfassung (wie auch bisher)
Machbarkeit (hat bislang keine Rolle gespielt)
Wiedersprüche in Interdependenzen - die hier anders geregelt sind und auch hier erheblich mehr Einfluss des Wählers zulassen.
Wie ich schon schrieb: völlige Freiheit kann es nicht geben und die höhere Beschränkung an einer Ecke ermöglicht eine umfassendere Erweiterung woanders.
Ich habe verstanden, dass Du den Eingriff nicht magst.
Welche Alternative ziehst Du vor?
Eingeschränkt durch 3 Faktoren:
Verfassung (wie auch bisher)
Machbarkeit (hat bislang keine Rolle gespielt)
Wiedersprüche in Interdependenzen - die hier anders geregelt sind und auch hier erheblich mehr Einfluss des Wählers zulassen.
Wie ich schon schrieb: völlige Freiheit kann es nicht geben und die höhere Beschränkung an einer Ecke ermöglicht eine umfassendere Erweiterung woanders.
Ich habe verstanden, dass Du den Eingriff nicht magst.
Welche Alternative ziehst Du vor?
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freewaverX
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Gesteigerte Wahlmöglichkeit und erhöhte Durchsetzbarkeit führen in deiner Sicht auf das vorgeschlagene System zu einem Freiheitsgewinn. Da weichen wir bereits in der Bewertung grundsätzlicher Maßstäbe voneinander ab, denn für mich ist Durchsetzbarkeit zunächst ein reiner Effizienzgewinn. Diesen sehe ich hier in erster Linie als Multiplikator für politische Eingriffstiefe.
Klar, das Debundling erhöht die Präzision der Auswahl; das in Verbindung mit der höheren Durchsetzungskraft ist ein positiver Aspekt, wenn man systemimmanent wertet. Für mich verschiebt sich der Freiheitsbegriff jedoch von der Begrenzung politischer Zuständigkeit hin zur Optimierung ihrer Ausübung, ergo - für mich - kein "Freiheitskriterium".
Die Verfassung bildet einen geschlossenen normativen Rahmen – das akzeptiere ich. Machbarkeit und Interdependenzen sind beides letztlich offene Kategorien. Sie begrenzen nicht im selben Sinne, sondern erzeugen Definitionsmacht darüber, was als realistisch oder alternativlos gilt. Du versuchst das durch Expertentum in den Griff zu bekommen, da sehe ich aber im politischen Betrieb zu große Möglichkeiten der Korruption.
Meine Alternative wäre daher weniger ein anderes Steuerungsmodell als eine bewusst engere politische Zuständigkeit: Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird – nicht dort, wo Entscheidungen besser durchgesetzt werden.
Klar, das Debundling erhöht die Präzision der Auswahl; das in Verbindung mit der höheren Durchsetzungskraft ist ein positiver Aspekt, wenn man systemimmanent wertet. Für mich verschiebt sich der Freiheitsbegriff jedoch von der Begrenzung politischer Zuständigkeit hin zur Optimierung ihrer Ausübung, ergo - für mich - kein "Freiheitskriterium".
Die Verfassung bildet einen geschlossenen normativen Rahmen – das akzeptiere ich. Machbarkeit und Interdependenzen sind beides letztlich offene Kategorien. Sie begrenzen nicht im selben Sinne, sondern erzeugen Definitionsmacht darüber, was als realistisch oder alternativlos gilt. Du versuchst das durch Expertentum in den Griff zu bekommen, da sehe ich aber im politischen Betrieb zu große Möglichkeiten der Korruption.
Meine Alternative wäre daher weniger ein anderes Steuerungsmodell als eine bewusst engere politische Zuständigkeit: Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird – nicht dort, wo Entscheidungen besser durchgesetzt werden.
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Zeit für die Daumenschrauben.freewaverX hat geschrieben: ↑Freitag 23. Januar 2026, 11:11 Die Verfassung bildet einen geschlossenen normativen Rahmen – das akzeptiere ich. Machbarkeit und Interdependenzen sind beides letztlich offene Kategorien. Sie begrenzen nicht im selben Sinne, sondern erzeugen Definitionsmacht darüber, was als realistisch oder alternativlos gilt. Du versuchst das durch Expertentum in den Griff zu bekommen, da sehe ich aber im politischen Betrieb zu große Möglichkeiten der Korruption.
Meine Alternative wäre daher weniger ein anderes Steuerungsmodell als eine bewusst engere politische Zuständigkeit: Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird – nicht dort, wo Entscheidungen besser durchgesetzt werden.
So sehr ich Abstraktion schätze - hier ist es mir zu abstrakt und zu wenig greifbar, was Du nun eigentlich meinst. Ganz besonders mit Hinblick auf Freiheit, wie genau sie für Dich als höher empfunden würde - und was konkret geschehen/geändert werden müsste, damit das geschieht. Was für das Thema ein wenig offTopic wäre, wenn es das Modell komplett über den Haufen wirft. Aber als kleiner Exkurs... sei's drum.
Der Rahmen der Verfassung ist längst nicht so geschlossen, wie es bei Dir klingt - weil der Abstraktionsgrad dort sehr hoch ist und erst durch eine Interpretation des BVerfG konkreter wird. Wohlgemerkt: "Konkreter" - aber noch nicht "konkret". Denn letztlich kommt von dort auch nur ein "so nicht" - und kein "genau das muss herauskommen".
Machbarkeit betrachte ich da nicht fundamental anders. Und in dem Moment, in dem Parteien nicht nur Richtungsentscheidungen treffen, sondern auch Regelungen verabschieden, die nur funktionieren können, wenn etwas anderes optimal läuft oder Technologien vom Himmel fallen, die derzeit entweder noch nicht existieren oder für die fraglich ist, ob sie es jemals werden, entsteht bei mir Frustration. Das ist natürlich etwas völlig anderes, als wenn man etwas auf Basis vorhandener Möglichkeiten regelt und gleichzeitig forciert auf die Schaffung einer Basis hinarbeitet, die eine spätere Anpassung erlaubt. Aber das was grundsätzlich geht, ist mit der Realität nicht vollumfänglich verhandelbar. Mit einer gewissen Unsicherheit - und die zeitpunktbezogene Gewissheit kann sich auch ändern. Aber da macht es eben einen gigantischen Unterschied, ob das eine - wenn auch nur hinreichend - belastbare Basis hat oder komplett auf Wunschdenken basiert.
Interdependenzen in meinem Modell sind keine offene Kategorie. Sie sind da und treten durch Ressortkonflikte zutage - oder eben nicht. Da wäre höchstens noch fraglich, ob dann auch mal drüber geschaut wird, ob sich zwei simultane Initiativen in die Quere kommen, bei denen die jeweiligen Ressorts es nicht selbst merken.
Korruption lasse ich gelten, wenn es mehr davon als derzeit wäre. Ist es das?
Jetzt aber mal Tacheles: Wo und wie wünschst Du Dir noch mehr Freiheit? Möglichst konkret.
Ich habe immer noch den Eindruck, Du bewertest die Wahlmöglichkeiten und den Einfluss des Wählers sehr viel niedriger als ich. Wobei mir unklar ist, wie Du Dir da mehr davon vorstellst.
Hast Du in Deinem letzten Satz einen Tippfehler?
"Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird "..??
Also ich persönlich fühle mich eher freier, wenn ich über mehr (statt weniger) entscheiden kann. Und wenn das, was entschieden wird (Umsetzbarkeit vorausgesetzt) dann auch noch passiert.
Also... irgendwo hakt da was. Klären.
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freewaverX
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Hey, keine Kinkdiskussion hier.Immersion hat geschrieben: ↑Freitag 23. Januar 2026, 12:39Zeit für die Daumenschrauben.freewaverX hat geschrieben: ↑Freitag 23. Januar 2026, 11:11 Die Verfassung bildet einen geschlossenen normativen Rahmen – das akzeptiere ich. Machbarkeit und Interdependenzen sind beides letztlich offene Kategorien. Sie begrenzen nicht im selben Sinne, sondern erzeugen Definitionsmacht darüber, was als realistisch oder alternativlos gilt. Du versuchst das durch Expertentum in den Griff zu bekommen, da sehe ich aber im politischen Betrieb zu große Möglichkeiten der Korruption.
Meine Alternative wäre daher weniger ein anderes Steuerungsmodell als eine bewusst engere politische Zuständigkeit: Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird – nicht dort, wo Entscheidungen besser durchgesetzt werden.![]()
So sehr ich Abstraktion schätze - hier ist es mir zu abstrakt und zu wenig greifbar, was Du nun eigentlich meinst. Ganz besonders mit Hinblick auf Freiheit, wie genau sie für Dich als höher empfunden würde - und was konkret geschehen/geändert werden müsste, damit das geschieht. Was für das Thema ein wenig offTopic wäre, wenn es das Modell komplett über den Haufen wirft. Aber als kleiner Exkurs... sei's drum.
Der Rahmen der Verfassung ist längst nicht so geschlossen, wie es bei Dir klingt - weil der Abstraktionsgrad dort sehr hoch ist und erst durch eine Interpretation des BVerfG konkreter wird. Wohlgemerkt: "Konkreter" - aber noch nicht "konkret". Denn letztlich kommt von dort auch nur ein "so nicht" - und kein "genau das muss herauskommen".
Machbarkeit betrachte ich da nicht fundamental anders. Und in dem Moment, in dem Parteien nicht nur Richtungsentscheidungen treffen, sondern auch Regelungen verabschieden, die nur funktionieren können, wenn etwas anderes optimal läuft oder Technologien vom Himmel fallen, die derzeit entweder noch nicht existieren oder für die fraglich ist, ob sie es jemals werden, entsteht bei mir Frustration. Das ist natürlich etwas völlig anderes, als wenn man etwas auf Basis vorhandener Möglichkeiten regelt und gleichzeitig forciert auf die Schaffung einer Basis hinarbeitet, die eine spätere Anpassung erlaubt. Aber das was grundsätzlich geht, ist mit der Realität nicht vollumfänglich verhandelbar. Mit einer gewissen Unsicherheit - und die zeitpunktbezogene Gewissheit kann sich auch ändern. Aber da macht es eben einen gigantischen Unterschied, ob das eine - wenn auch nur hinreichend - belastbare Basis hat oder komplett auf Wunschdenken basiert.
Interdependenzen in meinem Modell sind keine offene Kategorie. Sie sind da und treten durch Ressortkonflikte zutage - oder eben nicht. Da wäre höchstens noch fraglich, ob dann auch mal drüber geschaut wird, ob sich zwei simultane Initiativen in die Quere kommen, bei denen die jeweiligen Ressorts es nicht selbst merken.
Korruption lasse ich gelten, wenn es mehr davon als derzeit wäre. Ist es das?
Jetzt aber mal Tacheles: Wo und wie wünschst Du Dir noch mehr Freiheit? Möglichst konkret.
Ich habe immer noch den Eindruck, Du bewertest die Wahlmöglichkeiten und den Einfluss des Wählers sehr viel niedriger als ich. Wobei mir unklar ist, wie Du Dir da mehr davon vorstellst.
Hast Du in Deinem letzten Satz einen Tippfehler?
"Freiheit entsteht für mich dort, wo über weniger entschieden wird "..??
Also ich persönlich fühle mich eher freier, wenn ich über mehr (statt weniger) entscheiden kann. Und wenn das, was entschieden wird (Umsetzbarkeit vorausgesetzt) dann auch noch passiert.
Also... irgendwo hakt da was. Klären.
Da triffst du einen Punkt, den ich gar nicht bestreiten will: Ja, ich stehe demokratischen Steuerungssystemen grundsätzlich kritisch gegenüber – nicht aus Geringschätzung von Beteiligung, sondern aus Skepsis gegenüber der Reichweite kollektiver Entscheidungsmacht.
Wenn ich von "weniger entscheiden" spreche, meine ich deshalb nicht weniger eigene Entscheidungsmöglichkeiten, sondern weniger Entscheidungen über andere. Freiheit entsteht für mich dort, wo bestimmte Lebensbereiche gar nicht erst politisch verhandelbar werden – unabhängig davon, wie legitimiert oder effizient Verfahren sind.
Entsprechend bewerte ich demokratische Systeme weniger nach ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu bündeln und durchzusetzen, sondern danach, wie stark sie sich selbst begrenzen. Mehr Mitentscheidung kann sinnvoll sein, ersetzt für mich aber nicht die Frage, wie groß der Bereich ist, über den kollektiv entschieden wird. Ein Modell, das die Wirksamkeit politischer Entscheidungen erhöht, ändert insofern nichts an meinem vorgebrachten Einwand.
Ich stelle vor allem die Frage in den Vordergrund, wie viel politische Macht überhaupt nötig ist.
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Immersion
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Mit mir zu diskutieren erfordert bereits ausgeprägten Masochismus - zu spät!
Wenn ich das jetzt mal auf zwei etwas polemisch klingende Aussagen (ist aber nicht böse gemeint) verdichte, heißt das doch folgendes:Da triffst du einen Punkt, den ich gar nicht bestreiten will: Ja, ich stehe demokratischen Steuerungssystemen grundsätzlich kritisch gegenüber – nicht aus Geringschätzung von Beteiligung, sondern aus Skepsis gegenüber der Reichweite kollektiver Entscheidungsmacht.
Wenn ich von "weniger entscheiden" spreche, meine ich deshalb nicht weniger eigene Entscheidungsmöglichkeiten, sondern weniger Entscheidungen über andere. Freiheit entsteht für mich dort, wo bestimmte Lebensbereiche gar nicht erst politisch verhandelbar werden – unabhängig davon, wie legitimiert oder effizient Verfahren sind.
Entsprechend bewerte ich demokratische Systeme weniger nach ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu bündeln und durchzusetzen, sondern danach, wie stark sie sich selbst begrenzen. Mehr Mitentscheidung kann sinnvoll sein, ersetzt für mich aber nicht die Frage, wie groß der Bereich ist, über den kollektiv entschieden wird. Ein Modell, das die Wirksamkeit politischer Entscheidungen erhöht, ändert insofern nichts an meinem vorgebrachten Einwand.
Ich stelle vor allem die Frage in den Vordergrund, wie viel politische Macht überhaupt nötig ist.
1. Du neigst zu einer sehr viel libertär-anarchistischeren Regierungsform als wir sie jetzt haben. Dann kann ich nachvollziehen, dass Dir mein Modell nicht zusagt. So viel Vertrauen in die Bürger habe ich dann aber lange nicht - Tendenz sinkend.
2. Du hast keine Vorstellung davon, was nun genau erforderlich wäre, um eine solche Regierungsform lauffähig zu gestalten?
Ich könnte auch sagen: hier prallen Architektur und Bauchgefühl aufeinander.
Dann versuch es doch gerne auch mal mit Architektur. Ich lege Kettensäge und Skalpell schon mal bereit.
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freewaverX
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Interessant, was das über dein Selbstbild aussagt. Well, well...
Erwischt.Wenn ich das jetzt mal auf zwei etwas polemisch klingende Aussagen (ist aber nicht böse gemeint) verdichte, heißt das doch folgendes:Da triffst du einen Punkt, den ich gar nicht bestreiten will: Ja, ich stehe demokratischen Steuerungssystemen grundsätzlich kritisch gegenüber – nicht aus Geringschätzung von Beteiligung, sondern aus Skepsis gegenüber der Reichweite kollektiver Entscheidungsmacht.
Wenn ich von "weniger entscheiden" spreche, meine ich deshalb nicht weniger eigene Entscheidungsmöglichkeiten, sondern weniger Entscheidungen über andere. Freiheit entsteht für mich dort, wo bestimmte Lebensbereiche gar nicht erst politisch verhandelbar werden – unabhängig davon, wie legitimiert oder effizient Verfahren sind.
Entsprechend bewerte ich demokratische Systeme weniger nach ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu bündeln und durchzusetzen, sondern danach, wie stark sie sich selbst begrenzen. Mehr Mitentscheidung kann sinnvoll sein, ersetzt für mich aber nicht die Frage, wie groß der Bereich ist, über den kollektiv entschieden wird. Ein Modell, das die Wirksamkeit politischer Entscheidungen erhöht, ändert insofern nichts an meinem vorgebrachten Einwand.
Ich stelle vor allem die Frage in den Vordergrund, wie viel politische Macht überhaupt nötig ist.
1. Du neigst zu einer sehr viel libertär-anarchistischeren Regierungsform als wir sie jetzt haben. Dann kann ich nachvollziehen, dass Dir mein Modell nicht zusagt. So viel Vertrauen in die Bürger habe ich dann aber lange nicht - Tendenz sinkend.
2. Du hast keine Vorstellung davon, was nun genau erforderlich wäre, um eine solche Regierungsform lauffähig zu gestalten?
Ich könnte auch sagen: hier prallen Architektur und Bauchgefühl aufeinander.
Dann versuch es doch gerne auch mal mit Architektur. Ich lege Kettensäge und Skalpell schon mal bereit.![]()
Das hat aber nichts mit einem romantischen Vertrauen in "die Bürger" zu tun, als mit einem fundamentalen Misstrauen gegenüber dauerhaft legitimierter Entscheidungsmacht. Mein Skepsisobjekt sind Strukturen, nicht Menschen. Und da ich auch kein allzu großes Vertrauen in andere habe, werde ich einen Teufel tun, ihnen ein System zur Verfügung zu stellen, das es ihnen einfacher macht, mir ihre kollektivistischen Wahnträume überzustülpen.
Was also die "Architektur" angeht: Ich verweigere sie nicht, ich setze nur früher an. Bevor ich beginne, Steuerung effizienter zu gestalten, frage ich erst, wie viel Steuerung überhaupt notwendig ist. Alles andere kommt danach – oder eben nicht.
Insofern: Kettensäge? Absolut, aber die setze ich auch am unteren Ende des Baumes an, nicht im Blätterdach.
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Re: Gedankenspiel: Technodemokratie
Mir ist durchaus bewusst, dass ich eine höchst wirksame Verkaufsförderungsmaßnahme für Kopfschmerztabletten bin. Mit etwas mehr Reichweite könnte ich über Provision mit den größeren Pharmafirmen verhandeln.freewaverX hat geschrieben: ↑Freitag 23. Januar 2026, 18:25 Interessant, was das über dein Selbstbild aussagt. Well, well...![]()
Und ich zweifle an beidem. Und BESONDERS den Menschen.Erwischt.Ja, mit der Stoßrichtung libertär-anarchistisch liegst du in meinem Fall goldrichtig.
Das hat aber nichts mit einem romantischen Vertrauen in "die Bürger" zu tun, als mit einem fundamentalen Misstrauen gegenüber dauerhaft legitimierter Entscheidungsmacht. Mein Skepsisobjekt sind Strukturen, nicht Menschen.
Deshalb favorisiere ich möglichst (!) selbstregulierende Strukturen, die den Blödsinn, den Menschen verzapfen, wenigstens reduzieren.
Allerdings nicht mithilfe komplizierter Regelwerke - was vermutlich in Anbetracht der Komplexität dieses Systems auf den ersten Blick ironisch erscheint, aber verglichen mit den Regelwerken, mit denen ich täglich zu tun habe, ist das noch trivial.
Womit Du nun in der Pflicht wärst, zu begründen, warum dieses System das im Vergleich zu gegenwärtigen einfacher macht.Und da ich auch kein allzu großes Vertrauen in andere habe, werde ich einen Teufel tun, ihnen ein System zur Verfügung zu stellen, das es ihnen einfacher macht, mir ihre kollektivistischen Wahnträume überzustülpen.![]()
Gut, man kann die Menschen natürlich auch komplett eliminieren - dann hat sich die Korruption auch erledigt. Aber so richtig überzeugt mich das Wahlprogramm unserer zukünftigen Maschinenherrscher noch nicht. Und Skynet traue ich irgendwie nicht.Bevor ich beginne, Steuerung effizienter zu gestalten, frage ich erst, wie viel Steuerung überhaupt notwendig ist. Alles andere kommt danach – oder eben nicht.
Insofern: Kettensäge? Absolut, aber die setze ich auch am unteren Ende des Baumes an, nicht im Blätterdach.
Spaß beiseite:
„Alles weg“ ist für mich keine Option - nicht ohne einen Migrationsplan hin zu etwas überzeugend besserem.
Und bislang … nun ja, Du weißt selbst, dass bei Dir bislang nur jede Menge Sägespäne in Aussicht stehen.
(Nicht, dass mein Gedankenexperiment Aussicht auf Umsetzung hätte)
